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    Eickstedt, Egon von

    Künstler-Datensatz 90067160


    Alternative Namensform: Eickstedt, Egon Freiherr von

    * 1892.04.10 in Gardelegen-Jeseritz, † 1965.12.20 in Mainz

    Tätig in Berlin & Freiburg im Breisgau & Wien & München & Breslau & Mainz

    Anthropologe, Ethnologe, Hochschullehrer, Forschungsreisender, Fotograf
    Professor


    Nachweisland: Deutschland

    Schlagwörter: Fotografie- photography

    Portfolios[[p]][[a href="http://www.deutschefotothek.de/gallery/freitext/%22rum%E4nienreise+1917/1918%22"]]Rumänienreise 1917/1918[[/a]] | [[a href="http://www.deutschefotothek.de/gallery/freitext/%22deutsche+indien-expedition+1926/1929%22"]]Deutsche Indien-Expedition 1926/1929[[/a]] | [[a href="http://www.deutschefotothek.de/gallery/freitext/%22deutsche+ostasien-expedition+1937/1939%22"]]Deutsche Ostasien-Expedition 1937/1939[[/a]] | [[a href="http://www.deutschefotothek.de/gallery/encoded/eJzjYBLS5uJIK0rNLEmtKBESTs1Mzi4uSU0p0VFITc_PUyjLz5NidvRzUWIuycnWYhBS4WIryUjNTc0T4nPMK8koyi_Iz00tKcpMRVYFACPgGN4*" class="picBtn"]]Anthropometrische Aufnahmen[[/a]] | [[a href="http://www.deutschefotothek.de/ete?action=queryGallery&index=fotografen&desc=%22Eickstedt,%20Egon%20von%22"]]Alle Aufnahmen anzeigen[[/a]][[/p]]Biographisches[[p]]Der deutsche Anthropologe Egon Freiherr von Eickstedt (1892-1965) gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den maßgeblichen Vertretern der biologischen Rassenkunde. Bereits während des Ersten Weltkrieges unternahm er an den Insassen in mindestens fünfzehn deutschen Kriegsgefangenenlagern anthropometrische Messungen, wobei sein besonderes Interesse einer Gruppe indischer Soldaten der englischen Streitkräfte galt, die als Kriegsgefangene im Lager Wünsdorf bei Berlin inhaftiert waren. Als im Februar 1917 deren Verlegung nach Rumänien beschlossen wurde, beauftragte die Lagerleitung von Eickstedt, die Inhaftierten als Sanitätsunteroffizier bis zum Kriegsende zu begleiten. Nach dem Ersten Weltkrieg promovierte er 1920 in Frankfurt am Main bei dem Geographen Norbert Krebs (1876-1947) mit einer Arbeit über „Rassenelemente der Sikh“, die auf Auswertung von in Wünsdorf erhobenen Daten basiert. Von 1921 bis 1923 war der Anthropologe wissenschaftlicher Assistent an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 1924 bis Juni 1926 arbeitete er als Museumsanthropologe im Naturhistorischen Museum Wien und von Juli bis November 1926 als Assistent in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläontologie in München. Im Jahr 1928 erhielt von Eickstedt eine Privatdozentur am Anthropologischen Institut der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslau, wo er seit 1929 Vorlesungen zur Rassehygiene und Eugenik hielt. 1933 folgte der Ruf auf eine außerordentliche Professur und die Leitung des Breslauer Instituts, die er bis zu seiner Flucht aus Breslau 1945 innehatte. Von Eickstedts wissenschaftliche Arbeit bestand während der NS-Zeit in der Auswertung der Ergebnisse seiner Expeditionen nach Ost- und Südasien sowie im Projekt einer flächendeckenden Rassenuntersuchung Schlesiens, für die in neun Jahren ca. 90.000 Menschen vermessen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Anthropologe nach einem kurzen Aufenthalt in Leipzig nach Mainz, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1961 die Professur für Anthropologie an der Johannes-Gutenberg-Universität innehatte. Eickstedt starb 1965 in Mainz.[[/p]] [[p]]Der Anthropologe stellte seine Arbeit in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und nach 1945 zugunsten seiner Karriere häufig in den Dienst kulturpolitischer Ziele. Deutlich wurde diese opportunistische Haltung vor allem während seiner Breslauer Zeit von 1933 bis 1945. Sein Versuch nach der Machtergreifung Hitlers in die NSDAP einzutreten erfolgte dabei wohl weniger vor dem Hintergrund politischer Überzeugungen als vielmehr zugunsten einer Fortführung seines wissenschaftlichen Projekts einer umfassenden Rassensystematik und -geschichte der Menschheit. Resultierend aus einem persönlichen Disput mit dem Assistenten des anthropologischen Instituts und Leiter des Rasse- und Siedlungsamtes des Abschnitts Schlesien der SS Walter Jankowski wurde ihm die Parteimitgliedschaft letztlich verwehrt. Für seine Rassenuntersuchung Schlesiens bekam von Eickstedt dennoch umfangreiche finanzielle und materielle Unterstützung von der nationalsozialistischen Führung. Zudem wandte er sich mehrmals mit Kooperationsangeboten an hochrangige NSDAP-Funktionäre. Dass seine Theorien für die Rassenideologie der Nationalsozialisten instrumentalisiert wurden, wusste der Anthropologe für seine Zwecke zu nutzen.[[/p]] [[p]]Egon von Eickstedts wissenschaftliche Karriere wurde maßgeblich durch zwei große Expeditionen geprägt. Die Deutsche Indien-Expedition von 1926 bis 1929 zusammen mit seiner Frau Enjo (1893-1965), die ihn als Assistentin begleitete, hatte das Anfertigen anthropometrischer Fotografien und die Erhebung umfangreicher physiognomischer Messdaten der indigenen Bevölkerung auf dem indischen Subkontinent zum Ziel. Ursprünglich als reine anthropologische Expedition geplant erhielt von Eickstedt vom GRASSI Museums zu Leipzig und dem Dresdner Völkerkundemuseum, die die Expedition teilfinanzierten, zusätzlich den Auftrag, kulturelle Objekte zu sammeln und ethnografische Fotografien aufzunehmen. Die Deutsche Ostasien-Expedition von 1937 bis 1939 nach Indien, Laos, China und auf die Philippinen diente der Vertiefung der Forschungsergebnisse aus den Jahren 1926 bis 1929. Egon von Eickstedt konnte sich bei dieser zweiten Reise ganz auf anthropologische Forschung konzentrieren.[[/p]]Der Bestand Egon von Eickstedt im Museum für Völkerkunde Dresden[[p]]Nach der Rückkehr von seinen Expeditionen nahm Egon von Eickstedt seine Fotografiesammlung zunächst mit nach Breslau und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Mainz. Im Jahr 2003 übernahm das Museum für Völkerkunde Dresden den Negativbestand vom Institut für Anthropologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz aus dem Nachlass von Egon von Eickstedt.[[/p]] [[p]]Der Negativbestand umfasst 14.401 Aufnahmen auf Kunststoffnegativen im Format 6 x 9 cm in Schwarzweiß und 54 Positive in unterschiedlichen Formaten in Schwarzweiß. Die Untergliederung in der Teilbestände D, E, T und F geht vermutlich auf von Eickstedts Mainzer Mitarbeiterin Anneliese Kandler-Palsson zurück. Teilbestand E umfasst 3789 ethnographische Aufnahmen von der Deutschen Indienexpedition 1926-1929, Teilbestand T die ebenfalls während dieser Expedition entstandenen, 7.396 anthropometrischen Typenaufnahmen. Teilbestand F umfasst ethnologische und anthropometrische Aufnahmen von der Deutschen Ostasienexpedition 1937-1939. Die Bilder in Teilbestand D entstanden hauptsächlich in Rumänien in den Jahren 1917 und 1918, vereinzelt wurden sie während der Deutschen Indienexpedition 1926-1929 und der Deutschen Ostasienexpedition 1937-1939 aufgenommen.[[/p]] [[p]]Zusammen mit dem Negativbestand übernahm das Museum für Völkerkunde Dresden auch Bildkarten, die von Eickstedts Mitarbeiterin Anneliese Kandler-Palsson erstellt hat. Diese wurden teilweise im Dresdner Völkerkundemuseum von anderer Hand überarbeitet. Die Untergliederung des Bildkartenbestandes in die Teilbestände D,E,T und F ist analog zur Ordnung des Negativbestandes. Für einige Bildkarten fehlt das zugehörige Negativ im Bestand. Zu einigen Negativen wurden zudem keine Bildkarten überliefert.[[/p]] [[p]]Die Fotografie war für Egon von Eickstedt vor allem ein Mittel zur Dokumentation. Mit über 7.000 Typenaufnahmen von Angehörigen verschiedener Ethnien und Kasten auf Einzel-, Doppel-, und Gruppenportraits versuchte er seine rassentheoretischen Thesen phänotypisch zu belegen. Erst sekundär wurden zur Absicherung seiner Befunde metrische Messdaten erhoben. Verglichen mit analogen anthropometrischen Aufnahmen, die Ethnologen, Anthropologen und auch Geographen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts anfertigten, lassen von Eickstedts Fotografien eine ungewöhnlich strenge formale Herangehensweise erkennen, welche die wissenschaftliche Akribie verdeutlicht, mit der er seinen methodischen Ansatz verfolgte. Aus heutiger Sicht stellen Mimik und Gestik sowie die Kleidungsstile der Portraitierten den diesen Aufnahmen zugrunde liegenden Versuch einer rassentheoretischen Normierung häufig in Frage, denn sie verweisen auf vielfältige soziale, kulturelle und politische Hintergründe. Eickstedt fotografierte Angehörige indigener Völker, die wie die Onge auf der Inselgruppe der Andamanen teilweise vom Aussterben bedroht waren und sind. Er portraitierte Angehörige verschiedener indischer Kasten wie der Brahmanen oder der Ghontora und politische und gesellschaftliche Würdenträger, darunter auch Personen der Zeitgeschichte. So gehörte der bengalische Schriftsteller und erste indische Nobelpreisträger Rabindranath Tagore mitsamt seiner Familie zu den Portraitierten. Ebenso der junge Seneka Bibile, später Politiker und Professor für Pharmazeutik, dessen Modell einer rationalen staatlichen Drogenpolitik auf Sri Lanka in den 1960er und 1970er Jahren internationales Ansehen erlangte. In ihrer Gesamtheit bieten die Fotografien ein vielschichtiges Portrait der Bevölkerungen Indiens und Ostasiens in den 1920er und 1930er Jahren.[[/p]] [[p]]Für die ethnologischen Fotografien ließ Egon von Eickstedt Tanzrituale verschiedener indischer Ethnien reinszenieren. Die Verwendung von gesammelten Ethnografika wie Jagdwaffen, Musikinstrumenten, Ritual- und Alltagsgegenständen wurde für die Kamera nachgestellt, um deren kulturellen Kontext zu dokumentieren. Zudem wurden Bilder von Alltagspraktiken, wie dem Sammeln von Honig, der Zubereitung von Waran-Fleisch, Mahlzeiten, der Fütterung von Vieh, dem Transport von Lasten oder landwirtschaftliche Anbaumethoden aufgenommen. Außerdem fotografierte der Anthropologe verschiedene Sakralbauten wie den Minakshi-Tempel in Madurai, den Kelaniya Tempel bei Colombo, den Kali-Tempel in Varanasi, die hinduistischen Tempel im südindischen Kanchipuram oder die Tempelanlagen im kambodschanischen Bayon. Die ethnologischen Aufnahmen dokumentieren somit die Vielfalt kultureller Ausdrucksweisen der Bevölkerung auf dem indischen Subkontinent und in Sri Lanka in den 1920er und 1930er Jahren. Weiterhin enthält der Bestand einige Reisefotografien, die von Eickstedt zum Beispiel bei der Reise mit einem Boot oder beim Rauchen einer Opiumpfeife zeigen.[[/p]]Publikationen in Auswahl[[p]][[ul]][[li]]Eickstedt, Egon von: Das Angelproblem der ostasiatischen Völkerdynamik. Rolle und Rasse der Bai-I und Tai. In: Studien zur Auslandskunde: Ostasien, Band 2, 1944, S. 1-52.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Das Tai-Problem. In: Meridio-Occidentale Sinsense, Band 1, 1940, S. 95-109. [[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Deutsche Indien-Expedition. In: Dr. A. Petermanns Mitteilungen aus Justus Perthes‘ geographischer Anstalt, Bd. 73, 1927, S. 44, 166, 303.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Deutsche Indien-Expedition. In: Dr. A. Petermanns Mitteilungen aus Justus Perthes‘ geographischer Anstalt, Bd. 74, 1928, S. 109, 234.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Die Deutsche Indien-Expedition. In: Dr. A. Petermanns Mitteilungen aus Justus Perthes‘ geographischer Anstalt, Bd. 75, 1929, S. 35-36, 148.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Forschungen in Süd- und Ostasien. I. Travancore, Cochinchina und Kambodscha. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 8, 1938, S. 294-333.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Forschungen in Süd- und Ostasien. II. Siam und Laos, das Tai-Problem und die Chinoisants. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 10, 1939, S. 1-67.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Forschungen in Süd- und Ostasien. III. Im Rotflußdelta und bei den obertonkinesischen Bergvölkern. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 10, 1939, S. 120-162.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Forschungen in Süd- und Ostasien. IV. Die Annamiten und der Untergang von Tchampa. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 11, 1940, S. 21-79.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Forschungen in Süd- und Ostasien. V. Untersuchungen bei der indochinesischen Urbevölkerung der Moi. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 11, 1940, S. 115-153. [[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Rassendynamik in Ostasien. China und Japan, Tai und Kmer von der Urzeit bis heute, Berlin 1944.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Rassenkunde und Rassengeschichte der Menschheit, Stuttgart 1934.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Überblick über Verlauf und Arbeiten der Deutschen Indien-Expedition 1926-1929. In Tagungsberichte der Gesellschaft für Völkerkunde, Bd. 1, 1930, S. 63-84.[[/li]] [[li]]Eickstedt, Egon von: Über Herkunft und Typus der Miau-Stämme in Westchina. In: Sinica, Band 17, 1942, S. 121-135.[[/li]][[/ul]][[/p]] [[p]]Für ein vollständiges Werkverzeichnis Egon von Eickstedts, siehe: Preuß 2009, S. 365-375.[[/p]]Literatur[[p]][[ul]][[li]]Müller, Katja: Eickstedt in Südindien. In: Jahrbuch der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen, Bd. 46, S. 227-236.[[/li]] [[li]]Müller, Katja: Die Eickstedt-Sammlung aus Südindien: Differenzierte Wahrnehmungen kolonialer Fotografien und Objekte. Peter Lang, Frankfurt 2015. [[/li]] [[li]]Preuß, Dirk: Anthropologe und Forschungsreisender. Biographie und Anthropologie Egon Freiherr von Eickstedts (1892-1965), München 2009, S. 31-50. [[/li]][[/ul]][[/p]]


    Urheber Metadaten: Deutsche Fotothek (Rohrmüller, Marc & Kliewer, Mario)

    Permalink:

    http://www.deutschefotothek.de/documents/kue/90067160

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