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    Grasser, Franz

     

    Künstler-Datensatz 87800040

    * 1911.03.26 in Bad Wörishofen, † 1944.11.13 in Noworossijsk

    Fotograf, Bordfotograf

    Keywords: Deutsche Fotothek, Fotografie- photography

    Portfolios[[p]] [[a href="http://www.deutschefotothek.de/db/apsisa.dll/ete?action=queryGallery&index=fotografen&desc=%22Grasser, Franz%22"]]Alle Aufnahmen von Franz Grasser[[/a]] [[/p]]Franz Grasser[[p]] Zeugnisse einer nachkolonialen, aber nicht weniger imperialistisch geprägten Zeit sind die Aufnahmen Franz Grassers (1911-1944), dessen Karriere als Bordfotograf mit Beginn des Zweiten Weltkriegs endete. Sein fotografischer Nachlass gelangte 2009 aus Privatbesitz in die Deutsche Fotothek. Er umfasst neben zahlreichen Schwarzweiß-Negativen auch einen großen Fundus an Agfacolor-Dias mit im einzelnen nicht datierten Aufnahmen von Schiffsreisen aus dem Zeitraum 1936 bis 1939. [[/p]] [[p]]Franz Grasser wurde am 26. März 1911 in Bad Wörishofen geboren und besuchte dort ein privates Gymnasium. Das Fotografenhandwerk lernte Grasser bei Othmar Rutz (1879-1961), dem Bruder seiner Mutter, der im schweizerischen St. Moritz ein Foto- und Souvenirgeschäft betrieb.[1] Seit 1936 war Grasser als Bordfotograf für die Hamburger Firma Carl Müller & Sohn tätig. Seine ersten Reisen führten ihn mit der „Monte Olivia“, die vom Sommer bis zum Herbst 1936 von der Reederei „Hamburg-Süd“ (HSDG) für KdF-Kreuzfahrten in die norwegischen Fjorde gechartert wurde, in das „Nordland“.[2] Kurz darauf wurde er von der HSDG auf der „General Artigas“ im Südamerikadienst eingesetzt und fuhr regelmäßig auf der "Monte Rosa" - sowohl im Linienverkehr zu den La Plata Häfen als auch auf mehrmonatigen Vergnügungsreisen („Brasil-Afrikareise“: Hamburg – Porto Delgada/Azoren – Pará – Pernambuca – Santos – Rio de Janeiro – Bahia – Santa Cruz de la Palma – Casablanca – Hamburg).[3] 1937/38 wurde er auf das Weltreiseschiff „Reliance“ versetzt, das von 1936 bis 1938 für die Hapag über die Weltmeere kreuzte; außerdem fuhr er auf der „Milwaukee“ und auf der „Cap Arcona“, dem Flaggschiff der HSDG. [[/p]] [[p]]Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kam die deutsche Passagierschifffahrt zum Erliegen und mit ihr auch Grassers Tätigkeit als Bordfotograf. Für die Zeit zwischen 1939 und 1942 sind von ihm öffentliche Vorträge mit Titeln wie "Mit Schiff und Farbfilm nach Indien",[4] "Das Antlitz der Erde. Auf deutschen Schiffen um die Welt"[5] sowie "Mit Schiff und Farbfilm um die Welt"[6] überliefert. Diese Veranstaltungen wurden von der Firma Carl Müller & Sohn angeboten, auch im Auftrag des „Deutschen Volksbildungswerks“ zur Truppenbetreuung. Im Frühjahr 1942 wurde Grasser eingezogen und zunächst in Holland stationiert. Er bemühte sich vergeblich um eine Versetzung zu einer Propagandakompanie. Um 1943 kam er in die Ukraine, und am 13. November 1944 starb Grasser als Kriegsgefangener in Noworossijsk am Schwarzen Meer.[7] [[/p]] [[p]]Die Reiseaufnahmen Franz Grassers zeigen vertraute Ziele – doch während die Reiserouten der großen Kreuzfahrtschiffe im Wesentlichen die gleichen wie bei Oswald Lübeck sind, entstammen die Bilder ganz offensichtlich einer anderen Epoche. Die von Oswald Lübeck so oft abgelichtete formelle Reisekleidung der Kaiserzeit ist sportiver Eleganz gewichen. Mit der äußeren Erscheinung der Reisenden, Ausdruck des Strebens nach Modernität, hat sich auch die Wahrnehmung des Fremden verändert, technisch manifestiert im neuen Medium des Farbbilds, inhaltlich ablesbar an einer veränderten Bildpraxis.[[/p]] [[p]]Grassers Fotos erscheinen weit authentischer als jene Lübecks, wirken nicht arrangiert. Die in seinem Nachlass überlieferten Aufnahmen haben insgesamt eher den Charakter von Momentaufnahmen und zeigen, begünstigt von der mobilen Kleinbildkamera, vom Fotografen selbst gewählte Motive, nicht Ablichtungen eigens arrangierter Staffagen. Dabei folgen Grassers Aufnahmen durchaus den Mustern klassischer ethnographischer Fotografie. Er versucht, den Habitus seines Gegenübers einzufangen, seine Körperhaltung sowie Kleidung und Schmuck fast dokumenthaft wiederzugeben. Die Bilder zeigen Werkzeuge und Technologien, Sitten und Gebräuche. Doch obwohl Grasser selbst diese Aufnahmen zeitgemäß mit „Volkstypen“ bezeichnet, entstehen keine Typenaufnahmen im klassischen Sinn, sondern vielfach individuelle Porträts (Abb. Kautschukarbeiter); in Gruppenaufnahmen wird soziale Interaktion sichtbar. Die Aufnahmen sind frei von Exotismen, nicht immer frei vom Pittoresken, verraten aber einen Blick für reale Lebensbedingungen. Spürbar ist vor allem eine vergleichsweise geringe Distanz zum Dargestellten, die sich nicht zuletzt in zahlreichen Nahaufnahmen äußert. Grasser wirkt insgesamt aufgeschlossen und neugierig, verzichtet auf die Inszenierung von Differenz, betont vielmehr die Vielfältigkeit von Lebensverhältnissen, überraschenderweise weitgehend unbeeindruckt von völkischen Denkmustern. Die Bilder scheinen, dem Credo des Reiseveranstalters entsprechend, geradezu zu illustrieren, „welche Welten gleichzeitig auf unserem Erdball leben, wie ungeheuer verschieden die Natur die Erdteile ausgestattet hat, und wie in den Menschen jahrtausendealte und neu aufstrebende Kräfte lebendig sind, die in unterschiedlichsten äußeren Formen ein Leben zu gestalten streben.“[8] [[/p]] [[p]]Interessant ist hier jedoch weniger der unterschwellige Distinktionsversuch des Werbetextes, sondern vielmehr das antagonistisch aufgefasste Verhältnis von Zivilisation und Wildnis: „Kulturstadt und Negerdorf geben eine eigenartige Mischung, Boulevard und Urwald sind dicht beieinander“, heißt es im gleichen Reiseprospekt.[9] Tatsächlich besichtigten die Reisenden jedoch nicht nur benachbarte, aber sorgfältig getrennte Lebensräume, sondern erlebten ein unmittelbares Neben- und Miteinander verschiedener Kulturen und sozialer Schichten im urbanen Raum der Anlaufhäfen. Diese kulturellen Interferenzen werden von Grasser nicht ausgeblendet, sondern werden explizit zum Bildgegenstand. Anders als bei Lübeck, dessen Aufnahmen ihren Gegenstand quasi musealisieren, zeichnen sich Grassers Fotos durch ihren reportageartigen Charakter aus. Sie leben nicht von der retrospektiven Nachbildung bereits überholter Muster, sondern illustrieren die Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Lebenswirklichkeiten auf eine Weise, die die journalistische Faszination des Fotografen spüren lässt. [[/p]] [[p]]Bislang ist nicht bekannt, ob Aufnahmen Grassers in der illustrierten Presse publiziert worden sind. Bildberichte über ethnographische Themen gehörten dort zum Standardrepertoire. Die Bildsprache der Presse, die zunehmend subjektivierte Sicht der Stories, das Einbeziehen der Person des Autors in den Reportageinhalt, ein gewisser ‚Schnappschusscharakter’ der Aufnahmen finden sich jedenfalls auch bei Grasser.[[/p]] [[p]]In seltsamer Kontinuität zu den Aufnahmen des Bordfotografen stehen die Dias, die 1942/43 in Russland entstanden sind. Sie folgen vielfach den gleichen ikonographischen Mustern, könnten auf den ersten Blick auch während des Landgangs einer Reisegesellschaft entstanden sein, doch unterlag das „Bilder machen“ hier gänzlich anderen Bedingungen. Die klassische Frage, aus welcher Perspektive die Aufnahmen gemacht worden sind, und für welchen Gebrauch sie bestimmt waren, kann jedoch nicht vollständig beantwortet werden. Fotos vom Kriegsalltag, von gefangenen sowjetischen Soldaten, Gruppenbilder von deren Frauen und Kindern in der Etappe finden sich auf ein und demselben Filmstreifen (Abb. Gefangene + Mädchen) und weisen die Perspektive des Bildautors als die des feindlichen Besatzers aus. Dabei verblüfft allerdings die Wahrnehmung einer gewissen Vertrautheit des Fotografen mit der einheimischen Bevölkerung, obwohl sich auf anderen Bildern gleichwohl auch Angst und Unsicherheit der Abgelichteten abzeichnet. Insgesamt fehlt dem Blick des Fotografen die „konstitutionelle Überheblichkeit“ des Besatzers:[10] Weder klassifiziert Grasser die vorgefundenen Lebensumstände als rückständig, noch inszeniert er die sozialen Verhältnisse als Ausdruck menschlicher, womöglich biologischer Eigenschaften.[11] Seine Aufnahmen von Sitten und Gebräuchen, typischen Tätigkeiten (Abb. Butterfaß) oder Wohnhäusern (Abb. Hütte) sind Ausdruck seines ethnographischen Interesses und wahrscheinlich mit der Absicht einer späteren Verwendung für Vortragsreisen entstanden. [[/p]] [[p]]Ein wesentlicher Unterschied zu den Bordfotografien liegt nicht in Grassers Darstellung des Anderen, die seinen gewohnten beruflichen Mustern folgt, sondern im Verhältnis dieser Aufnahmen zu den Bildern des deutschen Kriegsalltags. Zwar finden sich vereinzelt Fotos, auf denen Einheimische gemeinsam mit deutschen Soldaten für die Kamera posieren, doch finden das Leben der Besetzten und der militärische Alltag der Besatzer in getrennten Bildwelten statt. Im Werkzusammenhang können aus letzteren die Herstellungsbedingungen für erstere abgeleitet werden. Sie werden dort jedoch als Bildgegenstand unterdrückt, wie auch der Umstand, dass sich der Aufnahmeort außerhalb ausgetretener Touristenpfade, weit im Inneren einer fremden Kulturregion befindet, den Fotos nicht anzusehen ist. [[/p]] [[p class="legend"]] [1] Vgl. Paul Hugger: Bündner Fotografen, Zürich 1992, S. 155-157.[[br/]] [2] „Wir sind bereits zum vierten Mal unterwegs nach dem Nordland […], Amerikafahrten kommen erst nach längerer Bewährung.“ Postkarte Grassers an Othmar Rutz, 8.7.36 (?); Deutsche Fotothek, Nachlass Grasser.[[br/]] [3] Prospekt „Brasil-Afrikareise“ 20.10.-16.12.1936, HSDG 1936; Deutsche Fotothek, Nachlass Grasser.[[br/]] [4] Franz Grasser, undatiertes Typoskript, um 1940/41; Deutsche Fotothek, Nachlass Grasser.[[br/]] [5] Fa. Carl Müller & Sohn, undatiertes Typoskript; Deutsche Fotothek, Nachlass Grasser.[[br/]] [6] Programmzettel, 1. August 1941, undatierte Eintrittskarte, Deutsche Fotothek, Nachlass Grasser.[[br/]] [7] Der Nachlass Grasser in der Deutschen Fotothek umfasst nur einige wenige Schriftquellen, so dass biografische Angaben insgesamt nur spärlich vorhanden sind. Aus Heimkehrerbriefen an den Vater Grassers geht hervor, dass Franz Grasser seit Januar 1944 als Schreiber zum Feldersatz-Bataillon 376 der 376. Infanterie-Division gehörte, das im August 1944 im Zuge der sowjetischen Operation Jassy-Kischinjow im Raum Südukraine/Rumänien vernichtet wurde. Grasser galt seitdem als vermisst. Der [[a class="external" target="_blank" href="http://www.denkmalprojekt.org/2008/bad_woerishofen_kurpark_wk1u2_bay.htm"]]Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.[[/a]] verzeichnet ihn als am 13.11.1944 als Kriegsgefangener in Noworosijsk verstorben.[[br/]] [8] Prospekt „Brasil-Afrikareise“ 20.10.-16.12.1936, HSDG 1936; Deutsche Fotothek, Nachlass Grasser.[[br/]] [9] Ebenda.[[br/]] [10] vgl. Klaus Latzel: Tourismus und Gewalt. Kriegswahrnehmungen in Feldpostbriefen, in: Hannes Heer und Klaus Naumann (Hg.): Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, Hamburg 1995, S. 455.[[br/]] [11] Ebenda, S. 454. [[/p]]Literatur[[p]] [[ul]] [[li]]Jens Bove, Ulrike Keppler: Bilder des Fremden. Fotografien von Oswald Lübeck, Franz Grasser und Hans Schomburgk, in: [[a target="_blank" class="external" href="http://www.slub-dresden.de/ueber-uns/publikationen/publikationen-der-deutschen-fotothek/"]]Bilder machen[[/a]]. Fotografie als Praxis. Ausstellungskatalog. Herausgegeben von Bertram Kaschek, Jürgen Müller und Wilfried Wiegand in Zusammenarbeit mit Jens Bove. Dresden: Universitätssammlungen Kunst+Technik in der ALTANAGalerie 2010, S. 69-82. [[/li]] [[/ul]] [[/p]]


    Urheber Metadaten: Deutsche Fotothek (Spitzer, Anne), Bildrechte: Deutsche Fotothek

    Permalink:

    http://www.deutschefotothek.de/documents/kue/87800040

    Comments:

    Comment by pbjulius am 31.07.2018 um 16:41:11:
    Ich finde es schade und bedauerlich, dass trotz Bemühungen bei Ihnen die zeitweilige Betätigung von Julius Arnfeld 25.04. 1875 Bad Polzin - 26.11. 1957 Epsom als Fotograf und Reiseberichterstatter für die "Hamburg - Süd" Reederei von 1933 - 1939, darunter eine gewisse Zeit auf der "Monte Rosa", keinen Eingang in die Fotothek gefunden hat. Julius Arnfeld entwickelte sich von 1933 an aus dem nichts zu einem in Deutschland bekannten Tierfotografen. Seine Fotografien, auch für prominente Tierbuchautoren und Foto Ratgeber mit Beiträgen zum Tierbild fanden zu Lebzeiten schon Anerkennung. (Foto - Wiki. Fast alle Bücher erschienen in Deutschland während seines Aufenthaltes auf der "Monte Rosa", auch als KdF Schiff - er brachte sich dort in Sicherheit, weil er Jude war. Die Mannschaft bzw. der Erste Funkoffizier deckten ihn, die Reederei hatte an seinen Fotos starkes Interesse. Ihm gelang vermutlich Sagenhaftes, denn ursprünglich war er Schauspieler und Regisseur und Fotoamateur. Die Anstellung bekam er über eine Ausschreibung der Reederei. Ich besitze alle seine Bücher und damit auch die Fotografien, sie werden in Antiquariaten gut angeboten. Es gibt eine "schmale" Biografie bei Wikipedia. Seine heute noch beliebten Fotos sind "Das Leopardenpärchen" - Soldatenhengst" "Flusspferd" und "Löwe". Ich denke, einem solchen Fotografen kann man einen Platz einräumen. Julius Arnfeld wurde 1939 erneut erwerbslos und wurde am 13.08. 1942 von Berlin aus mit seinen Geschwistern nach Theresienstadt deportiert. Er überlebte,der ehemalig Erste Funkoffizier der "Monte Rosa" bewahrte seine Fotoapparate und Fotografien für ihn auf und händigte sie im 1945 aus. 1945 erschien in der Büchergilde Züchrich nochmals der Abenteuererzählband von Artur Heye "Tiere, wie ich sie sah" mit 96 Fotografien von Julius Arnfeld,nun unter dem Titel:"Meine Brüder im Stillen Busch". Peter Blechschmidt

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