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    Weule, Karl

    Künstler-Datensatz 80142640


    * 1864.02.29 in Alt-Wallmoden, † 1926.04.19 in Leipzig

    Tätig in Berlin & Leipzig

    Ethnologe, Geograph, Museumsdirektor, Forschungsreisender
    Professor


    Nachweisland: Deutschland

    Schlagwörter: Fotografie- photography

    Portfolios[[p]] [[a href="http://www.deutschefotothek.de/list/freitext/%22weule%2C+karl%22+anthropometrie"]]Anthropometrische Aufnahmen[[/a]] | [[a href="http://www.deutschefotothek.de/list/freitext/%22weule%2C+karl%22+Zeichnung"]]Zeichnungen von Einheimischen[[/a]] | [[a href="http://www.deutschefotothek.de/list/freitext/%22deutsch-ostafrikaexpedition+1906-1907%22"]]Alle Aufnahmen von Karl Weule[[/a]] [[/p]]Biographisches[[p]]Karl Weule (1864-1926) gehört zu den Wegbereitern der universitären Ethnologie in Deutschland. Der Geograph, Ethnologe und Forschungsreisende studierte von 1886 bis 1890 Geographie, Geologie und Mineralogie bei dem Geographen Hermann Wagner (1840-1929) in Göttingen und bei dem Zoologen und Geographen Friedrich Ratzel (1844-1904) in Leipzig. 1891 promovierte er mit einer geographischen Arbeit [[i]]zur Morphologie der Flachküsten[[/i]]. Im selben Jahr ging er an das Seminar für Orientalische Sprachen an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, um sich auf den Auslandsdienst in den deutschen Kolonien vorzubereiten. Bei dem Anthropologen Felix von Luschan (1854-1924) absolvierte er anschließend ein Volontariat in der afrikanisch-ozeanischen Abteilung des Berliner Museums für Völkerkunde. Im Jahr 1899 wurde er zum stellvertretenden Direktor des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig ernannt, wo er nach Vorbild des Berliner Museums ein Katalogisierungs- und Systematisierungssystem einführte und als erster mit der wissenschaftlichen Bearbeitung der Sammlungen begann. Ebenfalls 1899 habilitierte Weule sich an der Universität Leipzig mit der ethnologischen Studie [[i]]Der afrikanische Pfeil[[/i]]. Im Jahr 1901 erhielt er dort eine außerordentliche Professur für Ethnologie und Frühgeschichte. 1907 wurde er zum Direktor des Museums für Völkerkunde zu Leipzig ernannt, das sich unter seiner Leitung zu einem der drei größten ethnographischen Museen Deutschlands entwickelte, neben den Völkerkundemuseen in Hamburg und Berlin. 1920 erhielt er den Ruf auf die deutschlandweit erste ordentliche Professur für Völkerkunde an der Universität Leipzig. Zu seinen weiteren Funktionen gehörte seit 1917 die Mitgliedschaft in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und seit 1921 die Mitgliedschaft in der Völkerkundlichen Abteilung der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, deren Vorsitz er 1925 übernahm. Einer breiteren zeitgenössischen Öffentlichkeit war Weule zudem durch seine populärwissenschaftlichen Publikationen zur Geographie und Ethnologie bekannt.[[/p]] [[p]]Mit Unterstützung der von dem Geographen Hans Meyer (1858-1929) geleiteten Kommission für landeskundliche Forschung der deutschen Schutzgebiete des Reichskolonialamtes unternahm Karl Weule von 1906 bis 1907 die Deutsch-Ostafrikaexpedition nach Tansania. Ziel war die ethnologische Erforschung des südlichen Teils der deutschen Kolonie. Ausgehend von der Hafenstadt Lindi reiste der Ethnologe in die Gebiete der Makonde, der Makua und benachbarter Bevölkerungsgruppen, wo er eine umfangreiche Objektsammlung zusammentrug. Zudem dokumentierte er Mythen, sammelte Zeichnungen sowie mittels eines Phonographen Gesänge der lokalen Bevölkerung und nahm über 1.000 Fotografien auf.[[/p]]Der Bestand „Karl Weule“ im Museum für Völkerkunde zu Leipzig[[p]]Die Aufnahmen fertigte Karl Weule während der Deutsch-Ostafrikaexpedition von 1906 bis 1907 im Auftrag des Museums für Völkerkunde zu Leipzig an. Der Bestand umfasst 1.076 Negative aus Glas in Schwarzweiß, darunter 630 im Format 9 x 12 cm und 446 im Format 13 x 18 cm.[[/p]] [[p]]Die Fotografie war für Karl Weule ein Mittel der ethnographischen und anthropologischen Dokumentation, das galt sowohl für die materielle als auch die immaterielle Kultur. So hielt er im Bild gleichermaßen Masken der Makonde oder Fresken an den Hütten Einheimischer fest, wie einen Tanz der Wasamo oder die Tanzstile des Unyago-Rituals der Swahili, die Herstellung von Stoffen aus Baumrinde, den Hüttenbau oder das Schmelzen von Messing oder die Herstellung und Konsumption von Nahrungs- und Genussmitteln, wie den Anbau von Sorghum-Hirse, das Stampfen, Worfeln und Reiben von Korn oder das Trinken von Pombe-Bier. Zum Portfolio gehören auch Aufnahmen der Moschee und muslimischer Grabstätten in Lindi sowie von Gehöften der Nyasa. Zahlreiche Bilder dokumentieren Weule ethnographische Feldforschungen: Sie zeigen die Aufnahme von Gesängen und Sprachbeispielen mit einem Phonographen sowie Zeichnungen, die in seinem Auftrag von Einheimischen angefertigt wurden. Zusammen mit 98 anthropometrischen Einzel- und Gruppenportraits, die auf insgesamt 218 Fotografien Männer, Frauen und Kinder verschiedener ethnischer Gruppen im Profil und im Seitenprofil zeigen, sind Weules Fotografien somit Teil einer umfangreichen, ethnologischen und anthropologischen Bestandsaufnahme des südlichen Tansanias um die Jahrhundertwende von 19. zum 20. Jahrhundert. Hinzu kommen kolonialhistorisch relevante Bildquellen: Fotografien sogenannter Bomen, das heißt von befestigten Gebäuden der deutschen Kolonialverwaltung in Lindi oder Mahuta, von Stadtansichten in Daressalam, eines Pfarrhauses, einer Kirche oder des Neubaus einer Bibliothek zeigen den Einfluss und das Wirken der europäischen Missionare sowie der Vertreter der deutschen Kolonialverwaltung in Deutsch-Ostafrika. Aufnahmen deutscher Kolonialsoldaten verweisen auf die aufgrund des Maji-Maji-Krieges hohe militärische Präsenz der Deutschen im südlichen Teil der Kolonie.[[/p]]Publikationen in Auswahl[[p]] [[ul]] [[li]] Weule, Karl: Beiträge zur Morphologie der Flachküsten, Leipzig 1891. [[/li]] [[li]] Weule, Karl: Der afrikanische Pfeil. Eine anthropogeographische Studie, Leipzig 1899. [[/li]] [[li]] Weule, Karl: Negerleben in Ostafrika. Ergebnisse einer ethnologischen Forschungsreise, Leipzig 1908. [[/li]] [[li]] Weule, Karl: Ostafrikanische Eingeborenen-Zeichnungen. Psychologische Einblicke in die Künstlerseele des Negers, Leipzig 1926. [[/li]] [[/ul]] [[/p]]Literatur[[p]] [[ul]] [[li]] Johnston, H.: Dr. Weule’s Expedition to German East Africa. In: Journal of the Royal African Society, Vol. 8, No. 32 (Jul., 1909), pp. 383-386. [[/li]] [[li]] Reche, Otto: (Hrsg.): In Memoriam Karl Weule. In: Beiträge zur Völkerkunde und Vorgeschichte, Leipzig 1929. [[/li]] [[li]] Zimmermann, Andrew: “What Do You Really Want in German East Africa, Herr Professor?” Counterinsurgency and the Science Effect in Colonial Tanzania. In: Comparative Studies in Society and History 48 (2006): 419-461. [[/li]] [[/ul]] [[/p]]


    Urheber Metadaten: Deutsche Fotothek (DFG-Projekt Künstlerzeitschriften)

    Permalink:

    http://www.deutschefotothek.de/documents/kue/80142640

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