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    Beck, Kurt

    Künstler-Datensatz 70915002


    * 1909.12.21 in Bermsgrün, † 1983.04.23 in Erla (Kreis Schwarzenberg)

    Arbeiterfotograf, Werkzeugmacher

    Schlagwörter: Deutsche Fotothek, Fotografie- photography

    Portfolios[[p]] [[a href="http://www.deutschefotothek.de/db/apsisa.dll/ete?action=queryGallery&index=freitext&desc=%22Beck, Kurt%22"]]Alle Aufnahmen von Kurt Beck[[/a]] [[/p]]Kurt Beck (21.12.1909 Bermsgrün– 23.4.1983 Erla/Schwarzenberg)[[p]] Der 1909 in Bermsgrün in Erzgebirge geborene Werkzeugmacher Kurt Beck war Mitglied einer der aktivsten sächsischen Ortgruppen der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands (VdAFD). Seit 1923 war Beck im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) und im Bund schaffender Landwirte, einer der KPD nahe stehenden Kleinbauernvereinigung, aktiv. In diesem Milieu entstanden Aufnahmen zur sozialen Lage der Kleinbauern im Erzgebirge und zur politischen Arbeit der KPD auf dem Lande. Zu den bekanntesten Aufnahmen Becks zählen die Fotografien zum Pächterkampf und zum Schulstreik in Bermsgrün, die in der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung (AIZ) veröffentlicht wurden. [[/p]] [[p]] Seit 1933 war Beck als Kurier für die im Prager Exil erscheinende AIZ aktiv. Als Teil eines Netzwerkes schmuggelte Beck Exemplare der Zeitung und kommunistische Schriften über die deutsch-tschechische Grenze und organisierten deren Verkauf in der Region. Während einer dieser als Skitour getarnten Fahrten wurde Beck im März 1934 verhaftet und vom Oberlandesgericht Dresden wegen "Vorbreitung zum Hochverrat" zu zwei Jahren und drei Monaten Haft im Zuchthaus Osterstein (Zwickau) verurteilt. [[/p]] [[p]] In dieser Zeit traf er auf den ebenfalls in Osterstein inhaftierten Erich Rinka: "Ich traute meinen Augen kaum, ein dürrer langer Kerl […] ja es war der Genosse Erich Rinka. Wir hatten uns im März 1934 das letzte Mal in der Tschechoslowakei gesehen, wo er nach meiner Meinung auch noch sein musste. Nun war er auch schon da, verurteilt." [[/p]] [[p]] Nach seiner Entlassung absolvierte Beck einen Lehrgang zum Techniker und arbeitete im Waschgerätewerk Schwarzenberg. Die polizeiliche Überwachung erlaubte Beck während dieser Zeit keine fotografische Tätigkeit. Ab Sommer 1942 war Beck als Soldat der Wehrmacht in Russland im Einsatz und später in der Rüstungsindustrie im böhmischen Steinschönau dienstverpflichtet. Nach Ende des Krieges kehrte Beck ins Erzgebirge zurück und übernahm im Auftrag der KPD die Gründung der National-Demokratischen-Partei-Deutschlands (NDPD) in der Region Aue-Schwarzenberg und war fünf Jahre Bürgermeister der Gemeinde Erla. [[/p]] [[p]] In der Nachkriegszeit dokumentierte Beck als Volkskorrespondent, d.h. als freier Mitarbeiter lokaler Zeitungen, fotografisch das politische Leben und die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Region. [[/p]] [[p]] Wegen des Verlustes vieler seiner Negative begann Kurt Beck wohl in den 1970er Jahren damit, Reproduktionen eigener und fremder Fotografien anzufertigen. Als Vorlage nutzte er Aufnahmen aus dem Besitz befreundeter Fotografen und die Publikationen, in denen die Fotografien erschienen waren. In einem umfangreichen Verzeichnis ordnete und dokumentierte Kurt Beck Entstehungszusammenhang und Herkunft der Aufnahmen. Als Mitglied der regionalen Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der Arbeiterbewegung wirkte er aktiv an der Historisierung der kommunistischen Vergangenheit Bermsgrüns mit. [[/p]] [[p]] Im Bestand der Deutschen Fotothek befinden sich 150 Glasnegative und ca. 1400 Kleinbildnegative Kurt Becks aus der Zeit vor 1945. Darunter auch Reproduktionen von Aufnahmen deren Originalnegative im Krieg verloren gegangen waren. Diese konnten 2009 im Rahmen des DFG-Projektes "Das Auge des Arbeiters" in einer Kooperation mit dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. erschlossen werden. Grundlage hierfür bildeten die umfangreichen Aufzeichnungen Kurt Becks über den Entstehungszusammenhang und die Herkunft der Aufnahmen. [[/p]] [[p]] Korinna Lorz [[/p]] [[p]] [[p]]Quellen: [[ul]] [[li]] Jens Bergmann: Tonbandumschrift eines Gespräches mit Erich Meinhold und Kurt Winkler anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Bermsgrüner Arbeiterfotografen“ im Otto-Nagel-Haus Berlin am 23. 2.1983, freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch Jens Bergmann. [[/li]] [[li]] Korinna Lorz: Das Dorf im Blick. Arbeiterfotografie im Westerzgebirge, in: Die Eroberung der beobachtenden Maschinen. Erforschung, Erschließung und Erhaltung sozialdokumentarischer Fotografie zwischen 1920 und 1960, Tagungsband (erscheint Frühjahr 2011). [[/li]] [[/ul]] [[/p]]Zeitzeugnis: Kurzbiografie[[p]]Kurt Beck, 21.12.1909 – 23.4.1983 [[/p]] [[p]] K.B. gehörte zur bekannten Bermsgrüner Gruppe der Vereinigung der Arbeiterfotografien Deutschlands (zur Gruppe gehörten: Kurt Winkler, Max Winkler, Erich Meinhold und K.B.).[[br /]] K. Beck wurde in Bermsgrün geboren, lebte bis zum Tode in Erla.[[br /]] Werkzeugmacher, 1927 ehrenamtliche Arbeit im KjVD, 1929 Mitglied der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands, 1930 arbeitslos, 1932 Eintritt in die KPD, 1934 – 1936 Verhaftung und Verurteilung zu 2 Jahren und 3 Monaten wegen „Vorbereitung des Hochverrates“, 1942 – 1945 Soldat in der faschistischen Wehrmacht, 1950 – 1955 Bürgermeister in der Gemeinde Erla, 1963 – 1974 Qualifizierung zum Ingenieur, Arbeit als Konstrukteur im VEB Formenbau Schwarzenberg. [[/p]] [[p class="legend"]]Quelle: Ankaufsunterlagen, Typoskript von L.D. (= Lutz Dietze), Deutsche Fotothek, Juli 1984[[/p]]Zeitzeugnis: Zum Inhalt des Bestands[[p]] Im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise entstanden um 1929 Fotografien mit primär sozialkritischer Aussage. Bermsgrün war ein Dorf mit überwiegend landarmen Kleinbauern. 1925 war das Dorf bereits ausgesprochen „rot“ und unter dem Namen „Klein-Moskau“ bekannt. Die Bewohner, von denen viele in der KPD organisiert waren, hatte es immer wieder verstanden, einen kommunistischen Bürgermeister zu wählen und sich dadurch für ihre politische Arbeit günstige Bedingungen zu schaffen.[[br /]] 1932 kam es auch in Bermsgrün zu Streiks und Demonstrationen. Die in Bermsgrün entstandenen Fotoreportagen über den „Pächterkampf“ und den „Licht- und Schulstreik“, veröffentlicht in der AIZ, sind unverzichtbare Zeugen aus den Kämpfen jener Zeit. Thematisch umfassen die noch nicht voll erschlossenen Fotos:[[/p]] [[ul]] [[li]]Soziale Lage der Kleinbauern im Erzgebirge um Schwarzengberg bis 1933[[/li]] [[li]]Arbeit, Leben und Kampf der Bauern[[/li]][[li]]Arbeitslosigkeit[[/li]] [[li]]Arbeitersport (einschließlich Wehrsport)[[/li]][[li]]Kampf gegen Reaktion und Faschismus[[/li]] [[li]]KPD Massenarbeit[[/li]][[li]]Illegalität[[/li]][[li]]Sozialistische Umgestaltung nach 1945 – 1983[[/li]] [[li]]Dokumente vom Aufenthalt bedeutender Arbeiterführer in dieser Gegend: Wilhelm Pieck in Bermsgrün, Hermann Dunker, Ernst Schneller usw.[[/li]] [[li]]Dokumente der Kampfgruppen in diesem Gebiet u. a.[[/li]] [[/ul]] [[p class="legend"]]Quelle: Ankaufsunterlagen, Typoskript von L.D. (= Lutz Dietze), Deutsche Fotothek, Juli 1984[[/p]]Selbstzeugnis[[p]]Am 21.12.1909 wurde ich, Kurt Otto Beck, als Sohn einer Arbeiter- und Kleinbauernfamilie, in Bermsgrün geboren. Dort besuchte ich die Volksschule, die ich 1924 verließ. Von Ostern 1924 – 29 erlernte ich in den Kraußwerken das Werkzeugmacherhandwerk. [[/p]] [[p]]Als größter Sohn von 8 Geschwistern lernte ich schon frühzeitig die Not der Arbeiter und Kleinbauern kennen. Kaum aus der Schule entlassen, gründeten wir in den Kraußwerken eine Jugendgruppe des Deutschen Metallarbeiterverbandes und in Bermsgrün eine Ortsgruppe des kommunistischen Jugendverbandes, welchem ich bis zum Beginn des Hitlerfaschismus angehörte. Unvergesslich ist mir meine Jugendweihe bei Ernst Schneller. 1930 bildeten wir in Bermsgrün unter der Tätigkeit des Bundes schaffender Landwirte eine Jugendgruppe, die sich Thomas Münt Bund nannte. Ich gehörte dem erzgeb. Bauernkomitee an. Mit meiner Kamera, als Mittel im Klassenkampf, hielt ich als Arbeiterfotograf viele Momente aus dem harten Kampf der Arbeiter und Kleinbauern im Bild fest. In der A-I-Z erschienen Bilder von mir, dadurch war ich bei der Redaktion verhasst, frühzeitig machte ich mit der Weimarer Polizei Bekanntschaft. 1933 wurden bei mir Fotogeräte und Material beschlagnahmt. [[/p]] [[p]]Als im Sommer 1933 die erste illegale Organisation der KPD hochgegangen war, gingen wir zu den emigrierten Genossen in die CSR und setzten die illegale Arbeit fort. Später gehörten wir der illegalen Gruppe Morgenstern-Adner in Aue an. Am 12.3.1934 wurden wir verhaftet und am 28.2.1935 vom Oberlandesgericht Dresden, ich zu 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt, die ich im Schloss Osterstein in Zwickau verbüßte.[[br /]] Nach meiner Entlassung 1936 wurde ich unter Polizeiaufsicht gestellt und von der Gestapo dauernd überwacht. 1937 heirateten wir, uns unserer Ehe entsprang ein Sohn, der heute Offizier der NVA ist.[[br /]] Im Juli 1942 wurde ich zur Wehrmacht eingezogen. Als Soldat wurde ich weder ausgezeichnet noch befördert. Am 2. August 1943 durch UK Stellung aus der Wehrmacht entlassen, kam ich bis Kriegsende zur Fa. Otto Zinke in Parchen-Steinschönau (ehem. Sudg.) als Dienstverpflichteter.[[br /]] Nach dem Zusammenbruch des Hitlerfaschismus beteiligte ich mich aktiv am politischen und wirtschaftlichen Aufbau. Ich war Mitglied des Aktionsausschusses in Erla-Crandorf, Leiter der Antifa und als Vorsitzender bei der Gründung der KPD gewählt worden.[[br /]] Im Oktober 1945 wurde ich als Treuhänder der Fa. Schneider und Korb in Bernsbach eingesetzt. Später arbeitete ich bei der Fa. AWEBA Aue.[[br /]] Von 1950 bis 1955 war ich Bürgermeister in der Gemeinde Erla.[[br /]] 5 Jahre Kreistagsabgeordneter und Mitglied des Kreisblocks in dieser Zeit. Seit 1955 bis jetzt arbeite ich im VEV Formenbau Schwarzenberg, zunächst als Lehrenbohrer, Meister und jetzt als Konstrukteur. 1962 habe ich die Technikerprüfung abgelegt und 1963 wurde mir die Berufsbezeichnung Ingenieur verliehen. In meinem Betrieb bin ich Parteigruppenorganisator in der Technik. Viele Jahre war ich Zugführer in der Kampfgruppe bis ich altershalber ausschied. Lange Zeit war ich als Volkskorrespondent in der Presse tätig. In Erla-Crandorf über ich die Funktion des Vorsitzenden des Ortsausschusses der Nationalen Front aus. [[/p]] [[p]]Ausgezeichnet wurde ich mit der Medaille Kämpfer gegen den Faschismus, Verdienstmedaille der Kampfgruppen der Arbeiterklasse, Aktivist des 7-Jahrplanes, Aktivist der ersten Stunde, der Ehrennadel der Fotografie in Gold, der Ehrennadel der Nationalen Front in Silber u. a. [[/p]] [[p]]Erla, den 28.4.1970 [[/p]] [[p]]Nachbemerkung (von L.D. (= Lutz Dietze)?):[[br /]] Gen. Beck war viele Jahre Sekretär der Wohnparteiorganisation in Crandorf. Er wurde mit der Verdienstmedaille der DDR ausgezeichnet und war sehr aktiv als Mitglied der Geschichtskommission der SED Kreisleitung tätig. [[/p]] [[p class="legend"]]Quelle: Typoskript, Deutsche Fotothek, 1984?[[/p]]

     
    Porträt
    Bewahrende Institution
    GND-Normdaten

    Urheber Metadaten: Deutsche Fotothek (Lorz, Korinna), Bildrechte: Deutsche Fotothek

    Permalink:

    http://www.deutschefotothek.de/documents/kue/70915002

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