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    Bresler, Hans

     

    Künstler-Datensatz 70915000

    Alternative Namensform: Bresler, Johannes Hermann

    * 1902.04.30 in Berlin, † 1994.05.27 in Freital

    Tätig in Freital

    Arbeiterfotograf

    Nachweisland: Deutschland

    Keywords: Fotografie- photography

    Portfolios[[p]] [[a href="http://www.deutschefotothek.de/db/apsisa.dll/ete?action=queryGallery&index=fotografen&desc=%22Bresler, Hans%22"]]Alle Aufnahmen von Hans Bresler[[/a]] [[/p]]Bestand in der Deutschen Fotothek[[p]] Die Deutsche Fotothek erwarb 1984/85, kurz zuvor durch Beschluss des ZK der SED mit erheblichen Mitteln für den Ausbau zu einer zentralen photohistorischen Institution in der DDR ausgestattet, 54 Aufnahmen des Arbeiters Hans Bresler aus Freital bei Dresden. Bis dahin wenig beachtet, hatte die Arbeiterphotographie der Jahre vor 1933 in der Krise des DDR-Systems Bedeutungszuwachs als legitimatorische Rückbesinnung auf dessen gleichermaßen militant-klassenkämpferische wie utopische Vor-Geschichte bekommen. So war es nicht nur von retrospektiv-historischem Interesse, dass Bresler die Originalabzüge über die Illegalität hinweg hatte retten können und sie nun in öffentlichen Besitz übergab [[/p]]Über Hans Bresler[[p]]Im Kontext der Übergabe der Aufnahmen Hans Breslers (1902-1994) an die Deutsche Fotothek entstand das Typoskript einer politischen Biografie des über 80-Jährigen, in dem er auch auf seine Aktivitäten als Arbeiterphotograph zu sprechen kam: [[/p]] [[p]][[i]] »Meine außerbetriebliche Tätigkeit bestand darin, daß ich imJahre 1927 [1] in Freital die Gruppe der Arbeiterfotografen gründete. Sie hatte die Aufgabe, Bildmaterial für die Zeitung AIZ, den Roten Stern, den Arbeiterfotografen und den Weg der Frau mit proletarischem sozialem Bildmaterial zu beliefern. Weitere Aufgabe war es, soziale und kommunale Mißstände im Ort aufzudecken. [...] Die Exmittierungsaktionen der Polizei, Wohnungselend und Kindernotstände wurden von uns dokumentiert. Vielen Bürgern Freitals haben wir durch Bilddokumente, die dem Stadtrat Scheibner vorgelegt wurden, zu einer menschenwürdigen Wohnung verholfen.[2] [...] In einer großen Ausstellung in der Alten Post zeigten die Arbeiterfotografen den Freitalern ihre Arbeit. Die KPD, die proletarischen Massenorg. [...] und viele andere halfen uns zu großem Erfolg. So wurde auch der Vortrag des Gen. Rinka Berlin über die SU in Grilles Gasthof durch obengesagtes ein großer Erfolg. 1932 besuchte ich als Delegierter der Arbeiterfotografen die SU.[3] Ich wurde mit den dortigen Bildreportern bekannt. Ich wertete das dort Gesehene und Gesagte in Gruppen und Betrieben aus. Der Faschismus begann, wir wurden verfolgt als Genossen. Die Schaukästen und die Dunkelkammer wurden zertrümmert und ausgeraubt. Hausdurchsuchungen fanden statt. Durch öfteren Wohnungswechsel entzog ich mich der Verhaftung. Mit einigen Gen. arbeiteten wir im Geheimen weiter. Schufen uns eine neue Dunkelkammer, stellten Fotomontagen und Postkarten gegen den Faschismus her. Diese vertrieben wir, und die Gelder wurden den Inhaftierten überwiesen.«[4] [[/i]][[/p]] [[p]] Der Text erläutert wesentliche Elemente von Zielen und Praxis der 1926 auf Initiative der KPD gegründeten Vereinigung der Arbeiter-Fotografen Deutschlands (VdAFD). Sie war mit ihren schließlich 130 Ortsgruppen und ca. 3.000 Mitgliedern Teil jenes Organisationsnetzwerks, das die Stärke der Arbeiterbewegung ausmachte und in dem zugleich die Kommunisten die Vorherrschaft der von ihnen als »sozialfaschistisch« bekämpften SPD zu brechen versuchten. Im sozialdemokratisch geprägten Industrieort Freital wuchs die auf Initiative aus Dresden Anfang 1930 gegründete Gruppe rasch auf 30 bis 50 Personen,[5] die trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage Mitgliedsbeiträge von 1,50 M (Erwerbstätige) bzw. 50 Pfennige (Erwerbslose und Lehrlinge) zahlten, mit eigenen oder gemeinsam genutzten Apparaten photographierten, in der Vereinsdunkelkammer arbeiteten, zuletzt vier Schaukästen 14-tägig neu bestückten, einmal im Monat gemeinsam wanderten, Ausstellungen vorbereiteten und sich an Demonstrationen beteiligten. Die meisten Mitglieder waren parteilos, einige Sozialdemokraten, sechs oder sieben bei der KPD. Wenn man auf die persönliche Glaubwürdigkeit Breslers diesseits stereotyper Beschönigungen der ultralinken Komintern und KPD-Politik vom Ende der Weimarer Republik setzt, so bestätigt sich hierin eine Beurteilung der Arbeiterphotographen als basisdemokratischer Kulturbewegung – »Im Unterschied zu der in der Zeit der Hitlerdiktatur (ebenso wie in der Sowjetunion unter Stalin und später in der DDR) erwünschten, reglementierten und kontrollierten Bildproduktion [...].«[6] [[/p]] [[p]] Ein Jahr nach der Gründung berichtete die Ortsgruppe stolz: »Am5.1. fand bei regem Inter esse unsere 1. Jahresversammlung statt. Als Ergebnis konnten wir feststellen: eine Ausstellung mit etwa 1700 Besuchern, einen Vereinswettbewerb mit ca. 300 Besuchern, drei durchgeführte Anfängerkurse mit 80 Teilnehmern, 2 Schaukästen wurden angebracht, eine Wandermappe mit 20 Bildern fertiggestellt, eine weitere in Angriff genommen, 1850 Platten, dreimal soviel Kopien und 2628 Vergrößerungen wurden hergestellt. Noch besteht ein Mangel an guter Bildberichterstattung und aktiver Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen.« [7] [[/p]] [[p]] Ob in den internen Diskussionen die Aufnahmen Hans Breslers zu den Beispielen »guter Berichterstattung« gerechnet wurden, ist nicht rekonstruierbar. Ihre stilistische Breite ist groß, und vielfach zeugen die Aufnahmen von pröbelndem Einsatz der technischen Mittel. Das Spektrum reicht von der Gegenlichtaufnahme einer Kipplore oder der Nahansicht eines essenden Arbeiters mit ihren Vorbildern in der sowjetischen Avantgardephotographie, über die Innenaufnahme einer abbruchreifen Wohnung mit Anklängen an bäuerliche Idyllen aus der Kunstphotographie um1900 [8] bis hin zu eher konventionellen Portraits. Orientieren sich die mehr experimentellen Aufnahmen an Beispielen aus den Zeitschriften, die Bresler als »Literaturmann« der örtlichen KPD gut kannte, [9]so mögen andere dem Interesse geschuldet sein, nicht allein Dokumente für Kampagnen zu schaffen, sondern auch mit dem Verkauf von Abzügen an die Portraitierten wenigstens die Herstellungskosten für die Bilder zu erlösen. [10] [[/p]] [[p]] Die Aufnahmen Breslers sind Zeugnisse einer breiten proletarischen Kultur, die ihre sozialen Interessen auszudrücken suchte und der bürgerlichen Amateur- und Pressephotographie eine eingreifende kollektive Praxis entgegenstellte. Die Wahrnehmung der zeitgenössischen Avantgarde gehörte dazu ebenso wie die Orientierung am Massenmedium der illustrierten Presse mit ihren neuen Formen von Bildreportage oder Photomontage. [11] In diesem Kontext stellen die Aufnahmen Hans Breslers – im Kontrast zu den hochindividualisierten Personenentwürfen der Zeit – thematisch den Versuch einer selbstbestimmten wie öffentlichen Autobiografie dar. Modern aber sind sie – auf der materiellen Seite politischer Utopie – vor allem mediengeschichtlich: als Teil des industriellen Visualismus. [[/p]] [[p class=“legend“]]Quelle: Wolfgang Hesse: Das Auge des Arbeiters. Hans Bresler (Berlin 1902–1994 Freital), in: Wolfgang Hesse/Katja Schumann (Hgg.): Mensch! Photographien aus Dresdner Sammlungen (Ausst. Kat. Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Marburg 2006, S. 113-115. [[/p]] [[p class=“legend“]]Anmerkungen: [[br/]] [1] Hier irrt Bresler, vgl. Bericht über die Gründungsversammlung in: Der Arbeiterfotograf, Jg. 1930, Nr. 2, S. 53. [[br/]] [2] Mit der Krise von 1929 war auch das musterhaft entwickelte sozialdemokratische Versorgungsmodell in Freital in die Krise geraten und die Dominanz der SPD geriet in Gefahr; vgl. Franz Walter: Freital: Das »Rote Wien Sachsens«, in: Ders., Tobias Dürr, Klaus Schmidtke: Die SPD in Sachsen und Thüringen zwischen Hochburg und Diaspora. Untersuchungen auf lokaler Ebene vomKaiserreich bis zur Gegenwart, Bonn 1993, S. 39–181. [[br/]] [3] Bei Michael Hahnewald: 60 Jahre Arbeiterfotografie. Mit demAuge der Klasse. Notizen zu einer Biographie über den Arbeiterfotografen Hans Bresler, in: Arbeiterfotografie, 13. Jg. 1986, No. 53, S. 4–19, hier S. 12, bezeichnet Bresler die Reise als privat. [[br/]] [4] Hans Bresler: Meine Tätigkeit in der Arbeiterbewegung, Archiv Deutsche Fotothek. Die Orthographie des durch Unterschrift autorisierten Typoskripts wurde angepaßt. Weitere Angaben bei Hahnewald, wie Anm. 5, bes. S. 12 und 14. [[br/]] [5] Diese und die folgenden Angaben bei Hahnewald, wie Anm. 5. [[br/]] [6] Diethart Kerbs: Botschaften von Überlebenden: Vorbemerkungen zur Geschichte der Arbeiterfotografie, in: Judith Baumgartner, Bernd Wedemeyer-Kolwe (Hg.): Aufbrüche Seitenpfade Abwege. Suchbewegungen und Subkulturen im20. Jahrhundert. Festschrift für Ulrich Linse, Würzburg 2004, S. 45–57, hier S. 54. [[br/]] [7] Der Arbeiter-Fotograf, 1931, Nr. 2, S. 44. [[br/]] [8] Zu Mietkampagnen vgl. Henrick Stahr: »Erst Essen – dann Miete!« Mieterkrawalle, Mieterstreiks und ihre bildliche Repräsentation, in: Diethart Kerbs, Henrick Stahr (Hg.): Berlin 1932. Das letzte Jahr der ersten deutschen Republik. Politik, Symbole, Medien, Berlin 1992, S. 90–114. [[br/]] [9] Vgl. Typoskript, wie Anm. 6. Zur Avantgarderezeption vgl. Wolfgang Hesse: Schornsteinkrieg. Zu einemMotiv der Arbeiterfotografie, in: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. (ISGV): Volkskunde in Sachsen 17/2005, S. 97–117. [[br/]] [10] Der Arbeiter-Fotograf zahlte bei Veröffentlichung 5, die AIZ 10 Mark Honorar, vgl. Erich Rinka: Fotografie imKlassenkam pf. Ein Arbeiterfotograf erinnert sich, Leipzig 1981, S. 88. [[br/]] [11] Vgl. die montierte Werbekarte der Freitaler Gruppe, in: Der Arbeiter-Fotograf, Jg. 1931, Nr. 10, S. 256 und die Kritik daran Jg. 1932, H. 2, S. 38f. Allgemein hierzu Durus (d. i. Alfred Kemény): Fotomontage, Fotogramm, in: Der Arbeiter-Fotograf, Jg. 1931, H. 7, S. 166–168. [[/p]]Selbstzeugnis: Meine Tätigkeit in der Arbeiterbewegung (um 1984?)[[p]]Als Pflegesohn des sozialdemokratischen Genossen Emil Boldrack Gittersee wurde ich im proletarischen Sinne erzogen.[[/p]] [[p]]Am 30. April 1902 geboren. 1916 verließ ich die 8. (?) Klasse der Volksschule Gittersee. Meine erste Begegnung mit klassenbewussten Arbeitern fand im Frühjahr 1918, bei der Firma Rolf Götz und Kom. Dresden statt. Da selbst bestand eine Gruppe von USPD Genossen welche im Geheimen gegen den Krieg propagierten. Der Gruppe gehörte auch der Freitaler Genosse Max Körner an. Dort wurde ich zum ersten Mal mit der Großen Russischen Oktoberrevolution bekannt gemacht.[[/p]] [[p]]Als der Krieg zu Ende war, schloss ich mich sofort der freien sozialistischen Jugend an.[[/p]] [[p]]Wurde mit Willi Ermer, Kurt Heller, Oswin Hamisch, Kurt Michan, Paul Jortan, Willi Groß und Helmut Heinz und anderen bekannt. Besuchte die Vortragsreihen von Gen. Otto Rühle, hier wurde ich mit der russischen, französischen und deutschen Revolution vertraut gemacht. Lernte die Klassengegensätze, das Kommunistische Manifest, Karl Marx, Friedrich Engels, August Bebel und Lenin in seinen Schriften kennen. Besuchte regelmäßig die Vorträge der revolutionären Jugend und Studenten in der weißen Schleife, Georgenallee Dresden. Nahm an den Demonstrationen gegen den wieder erstarkenden Militarismus, an den Machtkämpfen der Arbeiterklasse in Dresden teil. Als der Einmarsch des General Müllers zur Absetzung der Zeigner-Böttger-Regierung stattfand, wurde von uns bei Drucker Liebig Gittersee Flugblätter gedruckt, die in der Zeit des verhängten Ausnahmezustandes von uns geklebt wurden. Diese und viele weitere Aktionen machte ich in dieser Zeit mit.[[/p]] [[p]]In dem elektrotechnischen Betrieb Goldschmidt und Gröschel Dresden, Fröbelstraße, lernte ich den KPD-Gen. Franz Schade und den komm. Jugendgen. Alwin Zeiler kennen. Da selbst haben wir einen 14tägigen erfolgreichen Lohnstreik durchgeführt, in welchen ich als Jugendgenosse in die Streikleitung gewählt wurde. Meine rev. oppositionelle Tätigkeit brachte mir dort meine erste Entlassung ein. Wurde aus der reformistischen Gewerkschaft ausgeschlossen. Bei Anton Reiche, Dresden, nahm ich neue Arbeit auf, wurde sofort Mitglied der RGO. Mit dem dortigen Gen. der kommunistischen Partei fand ich Verbindung, unterstützte die RGO bei den Betriebsgewerkschaftswahlen. Der Gen. Erich Lau, der auf der Wahlliste der Opposition stand und Mitglied der KPD war, nahm mich 1927 als Mitglied der KPD auf, wo ich als Literaturmann eingesetzt wurde.[[/p]] [[p]]Von mir wurde von 1927 – 1933 jede Woche regelmäßig über 100 Stück AIZ etwa 55 Stück ‚Weg der Frau’, viele anfallende Parteiliteratur, Bücher aller Art, die mit dem herrschenden verschärften Klassenkampf zusammenhingen, vertrieben. So waren es die Werke Lenins, Karl Marx, Friedrich Engels, Maxim Gorkis, Chon Reed und andere zeitgemäße Bücher. An der Herausgabe der Betriebszeitung „die Stanze“ war ich maßgeblich beteiligt. Dieselbe deckte unter großen Aufsehen die kapitalistische Ausbeutung, die kapitalistischen Machenschaften schonungslos auf. Oftmals wurde die Zeitung, die vor den Toren des Betriebes verkauft wurde, von der herbeigerufenen Polizei beschlagnahmt und nach den Herstellern gesucht. Die Agit-Prop.-Gruppe, die roten Raketen, wurde von uns zu Blitzauftritten aktuell politischer Ereignisse engagiert. Vor Polizeizugriffen zu schützen war meine Aufgabe. Sie musste über die Friedhofsmauer geleitet werden. Die Reaktion wurde immer stärker. Die Genossen, die dem revolutionären Betriebsrat angehörten, wurden auf die Straße geworfen. Die noch vorhandene kleine Gruppe arbeitete aktiv weiter, wir gaben weiter „die Stanze“ in Abständen heraus, welche von Gen. Wiesner außerhalb des Betriebes vervielfältigt wurde.[[/p]] [[p]]Die Zeit der braunen Kolonne begann, auch bei Anton Reiche. Viele sollten als nicht tragbar entlassen werden. Dem Betrieb drohte die Entblößung von Fachkräften. Die Betriebsleitung stand vor der Tatsache, dass die Produktion zum Stillstand kam. Sie musste Maßnahmen ergreifen. Einige, die ihnen in der Produktion notwendig waren, mussten wieder von der Entlassungsliste gestrichen werden. Ungehindert dessen arbeiteten wir im Stillen weiter. Mit den Gen. Walluzeck, Gen. Arthur Zimmermann, Gen. Alfred Huth, und vielen anderen gleichgesinnten Kollegen wurden geheime Besprechungen auf den Aborts und anderen unauffälligen Plätzen abgehalten. Die AIZ, die in Abständen aus der CSR eingeschleust, Radiomeldungen aus Moskau, London und andere Meldungen wurden von uns weiter verbreitet. Wegen nicht den Nazigruß erwidernd und oftmals beim Diskutieren wurden die Nazi’s aufmerksam, drohten mit Verhaftung! Einige von unserer Gruppe wurden vor die Gestapo geladen, aber keiner verriet seine Genossen.[[/p]] [[p]]Die Nazi’s untereinander bekämpften sich, Trunksucht, Uneinigkeit, Prügeleien unter sich halfen uns oftmals vor dem Zugriff. Der Nazi-Krieg begann. Durch einen Betriebsunfall, der mir 4 Finger der rechten hand kostete, war ich unbrauchbar für ihren Krieg und brauchte meine Haus für sie nicht zu Markte tragen. Meine illegale Tätigkeit ging weiter. Immer wieder waren es neue Kollegen, die den Weg zur Opposition fanden. Die eingeschleusten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wurden von uns in geheimen Nachrichten vom Kriegsgeschehen, mit Lebensmitteln, Zigaretten, Kleidungsstücken und anderem versorgt. Kollegen, welche die Gefangenen maßregelten, wurden von uns gerügt und im gegenteiligen Sinne aufgeklärt. Ich arbeitete mit russischen Mädchen in einer Abteilung zusammen, welche ich zu beaufsichtigen hatte. Den Mädchen habe ich ihre Notlage auf jede gute Art und Weise so leicht wie möglich gemacht. Habe bei der Lagerverwaltung erwirkt, die Mädchen, gemeinsam mit meiner Frau, spazieren führen zu dürfen. Einen Gefangenen, der einen neuen Treibriemen stahl, um sich Schuhsohlen herzustellen, habe ich vor der Verhaftung bewahrt.[[/p]] [[p]]Der Krieg ging zu Ende, der Betrieb war zu 90 % zerstört. Sofort haben wir die noch wenig übrig gebliebenen Genossen zusammengenommen. Eine Betriebsgruppe, gleichgültig welcher Arbeiterpartei sie angehörten, haben wir gegründet. Meine Meinung war schon damals, dass die Arbeiter in eine revolutionäre Partei gehörten. Wir drei noch vorhandenen Genossen von der KPD übernahmen die Leitung, beräumten den Betrieb von Trümmern und unsauberen Elementen. Der Wiederaufbau begann. Die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien war bei uns nur noch eine feierliche Geste.[[/p]] [[p]]Ich wurde Mitglied des Betriebsrates, später der BGL, fungierte als stellvertretender Vorsitzender und Sozialobmann. War Mitglied der Parteileitung, wurde 1962 aus der Leitung wegen Krankheit abgelöst. Die Jugendbetreuung und Agitation behielt ich weiterhin. 1965 wurde ich schwer krank und 1966 im Juni Invalid.[[/p]] [[p]]Meine außerbetriebliche Tätigkeit bestand darin, dass ich im Jahre 1927 in Freital die Gruppe der Arbeiterfotografen gründete. Die Arbeiterfotografen hatten die Aufgabe, bildmaterial für die Zeitung AIZ, den ‚Roten Stern, den ‚Arbeiterfotografen’ und den ‚Weg der Frau’ mit proletarischem, sozialem Bildmaterial zu beliefern. Weitere Aufgabe war, soziale und kommunale Missstände im Orte aufzudecken. So haben wir den Willkürakt der Polizei, als sie in das IAH Kinderheim Freital-Leisnitz einbrachen und zertrümmerten, im Bilde festgehalten. (Fotos bei Arthur Gläser – Deuben). Die Exmittierungsaktionen der Polizei, Wohnungselend und Kindernotstände wurden von uns dokumentiert. Vielen Bürgern Freitals haben wir durch Bilddokumente, die dem Stadtrat Scheibner vorgelegt wurden, zu einer menschenwürdigen Wohnung verholfen. (Walter Hecker Uferstr. – Gustav Schöps früher Birgischt, jetzt Blockhaus Uferstr. waren einige von den Glücklichen.) In einer großen Ausstellung in der Alten Post zeigten die Arbeiterfotografen den Freitalern ihre Arbeit. Die KPD, die proletarischen Massenorganisationen, die Genossen Paul Kandler, Heinrich Pötschke, Lisel Alfenger, Kurt Böhme, Arthur Gläser, Helmut Heinz und viele andere halfen uns zum großen Erfolg. So wurde auch der Vortrag des Gen. Rinka, Berlin, über die Sowjetunion in Grilles Gasthof durch obengesagtes ein großer Erfolg. 1932 besuchte ich als Delegierter der Arbeiterfotografen die Sowjetunion. Wurde mit den dortigen Bildreportern bekannt. Wertete das dort Gesehene und Gesagte in Gruppe und Betrieb aus.[[/p]] [[p]]Der Faschismus begann. Wir wurden als Genossen verfolgt. Die Schaukästen, die Dunkelkammer zertrümmert und ausgeraubt. Hausdurchsuchungen fanden statt. Durch öfteren Wohnungswechsel entzog ich mich der Verhaftung. Mit einigen Genossen arbeiteten wir im Geheimen weiter. Schufen uns eine neue Dunkelkammer, stellten Fotomontagen und Postkarten gegen den Faschismus her, die wir vertrieben. Die Gelder wurden auf die Inhaftiertenfonds überwiesen.[[/p]] [[p]]Nach der Niederlage des Faschismus meldete ich mich zur Stunde bei der provisorischen Freitaler Parteileitung, beim Genossen Böhme zur Mitarbeit. Wurde als Helfer beim Bezirksvorstand des Stadtteils Potschappel eingesetzt. Genosse Wenk und Gen. Lau setzten mich als Abschnittsleiter, Straßenobmann und Jugendhelfer ein. Besuchte den kommunalen Schulungskursus, wurde als kommunaler Jungendleiter und Helfer im Kulturamt eingesetzt. Die Parteileitung des Wohnbezirkes Potschappel unter der Leitung Willi Körners delegierte mich als Schöffe nach den noch damals bestehenden Amtsgerichtes Döhlen, wo ich da selbst immer wieder gewählt wurde. 1958 wurde ich als Schöffe an das Bezirksgericht Dresden durch den Bezirkstag bestätigt. 1962 wurde ich auf eigenen Wunsch, meiner Tätigkeit als Schöffe wegen Krankheit von Direktor Lehmann entbunden.[[/p]] [[p]]Meine jetzige Tätigkeit: Arbeit in der WPO, Agitator der Nationalen Front, Hausvertrauensmann, HO Beirat (Gen. Ackermann)[[/p]] [[p]]Zeugen meiner Tätigkeit in der Arbeiterbewegung:[[/p]] [[ul]] [[li]]Ottmar Lutz, Walter Meschke, Arthur Sturm, bei Anton Reiche beschäftigt.[[/li]] [[li]]Karl Krüger, Paul Lohse (Sauberg)[[/li]] [[li]]Rudi Koch von vor 1945 bei Anton Reiche und nach 1945 von der Wohnbezirksarbeit und alle, die im Bericht angegeben sind.[[/li]] [[p]][[/p]] [[/ul]] [[p class="legend"]]Quelle: Typoskript, Deutsche Fotothek, 1984? (vermutlich von L.D. aus verschiedenen? Vorlagen zusammengestellt. vorletzter Absatz auch als separates, von Bresler gezeichnetes Blatt erhalten.[[/p]]Literatur[[ul]] [[li]]The Worker Photography Movement [1926-1939] / Essays and Documents. Ausstellungskatalog, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía from April 6 to August 22, 2011. Madrid : TF Editores 2011. [[/li]] [[li]]Wolfgang Hesse: Das Auge des Arbeiters. Hans Bresler (Berlin 1902–1994 Freital), in: Wolfgang Hesse/Katja Schumann (Hgg.): Mensch! Photographien aus Dresdner Sammlungen (Ausst. Kat. Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Marburg 2006, S. 113-115. [[/li]] [[li]]Michael Hahnewald, 60 Jahre Arbeiterfotografie, in: Arbeiterfotografie 13.1986.53.4-11. [[/li]] [[li]]Hans Bresler: Meine Tätigkeit in der Arbeiterbewegung, Archiv Deutsche Fotothek. [[/li]] [[/ul]]Ausstellungen[[ul]] [[li]]A Hard, Merciless Light. The Worker-Photography Movement, 1926-1939. 6. April 6 - 22. August 2011, Museo Reina Sofía [[/li]] [[/ul]]


    Urheber Metadaten: Deutsche Fotothek (Lorz, Korinna)

    Permalink:

    http://www.deutschefotothek.de/documents/kue/70915000

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