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    Seidenstücker, Friedrich

     

    Künstler-Datensatz 70122797

    * 1882.09.26 in Unna, † 1966.12.26 in Berlin

    Fotograf

    Nachweisland: Deutschland

    Keywords: Fotografie- photography

    Portfolios[[p]] [[a href="http://www.deutschefotothek.de/db/apsisa.dll/ete?action=queryGallery&index=fotografen&desc=%22Seidenstücker, Friedrich%22"]]Alle Aufnahmen[[/a]] [[/p]]Biografisches[[p]] Friedrich Seidenstücker kommt 1882 im westfälischen Unna zur Welt, baut sich im Alter von 13 Jahren einen ersten Fotoapparat aus der Linse einer Laterna Magica und knipst "amüsante Witze", wie er schreibt. Zunächst jedoch beginnt er eine Ingenieursausbildung. 1904 zieht er nach Berlin und vernachlässigt sein Maschinenbaustudium, um vor den Gehegen und Käfigen Tiere zu zeichnen. Noch ist die Fotografie ein Hobby und ein willkommenes Hilfsmittel für einen größeren Traum: Seidenstücker will Bildhauer werden und schreibt sich an der Hochschule für die Bildenden Künste ein. Erst 1923 schließt er das Studium ab, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg und seiner Arbeit als Flugzeugkonstrukteur bei der Zeppelin AG in Potsdam. Es dauert weitere acht Jahre, bis er sein Scheitern eingesteht: Seidenstücker tilgt die Berufsbezeichnung "Bildhauer" von seinem Adressstempel. Im reifen Alter von 49 Jahren firmiert er fortan unter "Pressefotograf". Dabei ist Friedrich Seidenstücker vor allem eines: ein Flaneur mit dem Finger am Auslöser, ein Alltagsbeobachter, der auf seinen Spaziergängen durch die Hauptstadt stets die entscheidenden Augenblicke erwartete. [[/p]][[p]] Seidenstücker war ein Individualist – ohne Pathos, Sensationen, oder den moralischen Zeigefinger. Dennoch werden seine Fotos nachgefragt. Der Ullstein-Verlag engagiert ihn als freien Fotografen, seine Bilder erscheinen auch in der Berliner Illustrirten Zeitung oder in illustrierten Magazinen wie dem "Uhu", der "Woche", dem "Querschnitt" der "Vossischen Zeitung" oder der "Dame". Vor allem seine Zooaufnahmen sind beliebt. Aber eben nicht als exotische Unterhaltung, sondern unter vertauschten Vorzeichen: Seidenstücker sucht das Menschliche in Tieren und das Tierische im Menschen. Am Ende seiner Karriere besteht etwa die Hälfte seiner Aufnahmen aus Tierfotografien, unter zoologischen Kriterien katalogisiert, mit Hinweisen zum Paarungsverhalten - festgehalten in einem "Hochzeitskalender der Tiere". [[/p]][[p]]Die gezeigten Aufnahmen aus dem Berlin der 1920er und 1930er Jahre zeugen ebenso von Sensibilität für soziale Fragen wie von seinem begeistert-erotischen Blick auf Frauen und, immer wieder, von seinem Sinn fürs Skurrile. Ausgangspunkt für die Streifzüge durch die Straßen Berlins ist seine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, die auch als Fotolabor und Modelierwerkstatt diente. Die Verhältnisse sind bescheiden und bürgerlich, von Bohème keine Spur. Zwar kann Seidenstücker zeitweise gut von den Honoraren leben, zugleich bleibt er auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen vor allem ab Ende der 1930er-Jahre: Das Authentische und Liebenswerte ist von der Straße verschwunden, Seidenstücker gehen die Motive aus. Er zieht sich ins Private zurück, und inszeniert in seiner Wohnung Aktaufnahmen vorm Kachelofen. Es sind voyeuristische, sinnliche Bilder, die der mittlerweile 60 Jahre alte ledige Herr von jungen Frauen erstellt. [[/p]][[p]]Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt Seidenstücker seine Spaziergänge fort. Sie führen ihn durch ein zerstörtes Berlin, das jede Unbeschwertheit verloren hat. Dennoch findet er die Augenblicke, auf die er so lange verzichten musste. Zwischen den Ruinen erwacht das Leben aufs Neue, die Zerstörungen fotografiert er nur beiläufig, als Kulisse. In den Fokus rückt der neue Alltag, das einsetzende Wirtschaftswunder mit all seinen Seltsamkeiten, die ihm auf den Straßen begegnen. [[/p]][[p]]Als er 1966 im Alter von 84 Jahren als gescheiterter Bildhauer und passabler Bildjournalist stirbt, hat er etwa 15 000 Bilder geschossen. Der Ruhm des Fotokünstlers bleibt ihm zu Lebzeiten verwehrt. Zu wahllos, zu banal, zu unscheinbar erscheint seine Sammlung Ende der 1960er-Jahre. Und so wäre mit seinem Tod beinahe auch ein Großteil seines Archivs verlorenen gegangen. Denn dass überhaupt so viele Bilder von Seidenstücker erhalten sind, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. 1971 entdeckt ein Sammler den penibel sortierten Nachlass des Fotografen im Fundus eines Berliner Trödlers, der ihn für 1500 Mark an das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz verkauft. [[/p]][[p class="legend"]] Quellen: Bee, Michael: Immer auf dem Sprung. In: Berliner Morgenpost am 25.09.2011 [http://www.morgenpost.de/printarchiv/biz/article1774977/Immer-auf-dem-Sprung.html; letzter Aufruf am 26.06.2013]; Oberländer, Jan: Friedrich Seidenstücker: Der fröhliche Blick. In: Der Tagesspiegel am 29.09.2011 [http://www.tagesspiegel.de/kultur/fotografie-friedrich-seidenstuecker-der-froehliche-blick/4673924.html; letzter Aufruf am 26.06.2013] [[/p]]Publikationen (Auswahl)[[ul]] [[li]]Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur (Hrsg.) / Seidenstücker, Friedrich: Von Nilpferden und anderen Menschen. Fotografien 1925–1958. [anlässlich der Ausstellung Friedrich Seidenstücker. Von Nilpferden und anderen Menschen. Fotografien 1925–1958, Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, 1. Oktober 2011 – 6. Februar 2012]. Ostfildern: Hatje Cantz, 2011[[/li]] [[li]]Collection Regard, Hrsg. von Barbey, Marc / Seidenstücker, Friedrich: Hommage à Berlin. Photographien 1945–1946. Hein Gorny, Adolph C. Byers, Friedrich Seidenstücker. [anlässlich der Ausstellung Hommage à Berlin: Hein Gorny, Adolph C. Byers, Friedrich Seidenstücker. Photographien 194 –1946 ; 6. Mai - 9. Oktober 2011, Collection Regard] / [Hrsg. Collection Regard. Marc Barbey]. Berlin: Coll. Regard, 2011[[/li]] [[li]]Goebeler, Dorothea / Seidenstücker, Friedrich: Potsdamer Plaudereien. Berlin: Edition Terra, 2007. [Band 1 der Serie: Bibliothek der Entdeckungen][[/li]] [[li]]Wilde, Ann / Wilde, Jürgen / Seidenstücker, Friedrich: Friedrich Seidenstücker. Der humorvolle Blick. Fotografien 1923–1957. [anlässlich der Präsentation: "Sammlung Ann und Jürgen Wilde: Friedrich Seidenstücker. Fotografien 1923–57. Eine Auswahl" im Sprengel-Museum Hannover vom 13.10.1996 bis zum Frühjahr 1998]. Hannover: Sprengel-Museum, 1997[[/li]] [[li]]Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.) / Seidenstücker, Friedrich: Der faszinierende Augenblick. In: Reihe Fotosammlungen, Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Bd. 1. Berlin: Nicolai, 1987[[/li]] [[li]]Kourist, Werner / Seidenstücker, Friedrich: Friedrich Seidenstücker. Fotos aus dem Zoo Berlin 1925–1940: Ausstellungs-Katalog. [Wanderausstellung; Hellweg-Museum d. Stadt Unna zeigt vom 16.11.1986–21.12.1986 die Sonderausstellung: Friedrich Seidenstücker. Fotografien aus dem Berliner Zoo 1925–1940]. Unna: Hellweg-Museum, 1986[[/li]] [[li]]Kourist, Werner (Hrsg.) / Seidenstücker, Friedrich: Von Menschen und von Tieren. Berlin: Nishen, 1986. [Bd. 4 der Reihe: Das Foto-Taschenbuch][[/li]] [[li]]Philipp, Werner / Seidenstücker, Friedrich: Das Berliner Zoo-Album. Berlin: Nicolai, 1984[[/li]] [[li]]Wilde, Ann / Wilde, Jürgen (Hrsg.) / Seidenstücker, Friedrich: Von Weimar bis zum Ende. Dortmund: Harenberg, 1980[[/li]] [[/li]] [[/ul]]Ausstellungen[[ul]] [[li]]Friedrich Seidenstücker. Von Nilpferden und anderen Menschen. Fotografien 1925–1958. Ausstellung vom 1. Oktober 2011 - 6. Februar 2012 in der Berlinischen Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur in Zusammenarbeit mit der Bpk - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte und der Stiftung Stadtmuseum Berlin[[/li]] [[li]]Sammlung Ann und Jürgen Wilde: Friedrich Seidenstücker. Fotografien 1923–1957. Eine Auswahl. Präsentation vom 13.10.1996 bis zum Frühjahr 1998 im Sprengel-Museum in Hannover [[/li]] [[li]]Friedrich Seidenstücker. Fotografien aus dem Berliner Zoo 1925–1940 (Aus der Sammlung Werner Kourist). Wander- und Sonderausstellung vom 16.11.1986 bis 21.12.1986 im Hellweg-Museum der Stadt Unna[[/li]] [[li]]Hommage à Berlin: Hein Gorny, Adolph C. Byers, Friedrich Seidenstücker, Photographien 1945–1946 ; Ausstellung vom 6. Mai bis 9. Oktober 2011, Collection Regard[[/li]] [[/ul]]


    Urheber Metadaten: SLUB/ConArt - Contemporary Artists (Schmahl, Karolin)

    Permalink:

    http://www.deutschefotothek.de/documents/kue/70122797

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