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Deutsche Ostasien-Expedition 1937/1939

Egon Freiherr von Eickstedt

Die Deutsche Ostasien-Expedition des Anthropologen Egon von Eickstedt (1892-1965) knüpfte inhaltlich an die Deutsche Indien-Expedition von 1926 bis 1929 an. Ergänzend zu den Forschungsergebnissen aus Indien und Sri Lanka standen nun Laos, China und die Philippinen im Fokus umfangreicher Feldforschungen. Eickstedt erhob physiognomische Messdaten, nahm ethnologische und anthropometrische Fotografien auf und sammelte kulturelle Objekte. Finanzielle und logistische Unterstützung erhielt er vom deutschen Auswärtigen Amt, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Indian Science Congress Association, den deutschen Botschaften in Paris und Bangkok, dem deutschen Konsulat in Hanoi sowie den lokalen Behörden. Der Anthropologe reiste mit der Eisenbahn, dem Schiff, dem Flugzeug, lokalen Bussen, dem Automobil und häufig auch mit Elefanten oder zu Fuß mit Trägern.

Am 6. Dezember 1937 schiffte sich Egon von Eickstedt in Genua ein und fuhr mit der M.S. Fulda nach Colombo in Sri Lanka. Von dort ging es mit Schiff und Zug weiter nach Kalkota in West Bengalen, wo er vom 2. bis 9. Januar 1938 am Kongress der Indian Science Congress Association teilnahm. Es folgte eine Forschungsreise zur ethnischen Gruppe der Kaniker in Südindien. Ende Januar 1938 kehrte Eichstedt nach Colombo zurück, um einen Vortrag vor der Asiatic Society zu halten. Von dort ging es mit dem Schiff weiter nach Singapur und am 9. Februar auf dem Landweg über Ho Chi Minh Stadt (Saigon) nach Phnom Penh. Die kambodschanische Stadt war Ausgangspunkt für eine Expedition zu verschiedenen ethnischen Gruppen in den Cardamom Mountains. Auf dem Rückweg von dort durchquerte Eickstedt erneut Phnom Phen und fuhr im März 1938 über das ehemalige Zentrum des Khmerreiches Angkor nach Bangkok. Es folgten kleinere Exkursionen in die Umgebung der thailändischen Hauptstadt bevor die Reise im April in die laotische Stadt Luang Prabang weiterging, die zum Ausgangspunkt für verschiedene Exkursionen in Laos wurde. Im Juni 1938 erreichte der Anthropologe die vietnamesische Küstenstadt Vinh, von wo aus es Anfang Juli in die chinesische Provinz Sichuan nach Chengdu ging. Einer Einladung von Felix Altenburg (1889-1970), dem damaligen deutschen Generalkonsul von Guangdong (Kanton) folgend, reiste Eickstedt im September 1938 über Hanoi und Hongkong in die südchinesische Provinz. Im Anschluss ging es erneut über Hongkong nach Manila für eine Expedition in den Norden der philippinischen Hauptinsel Luzon. Erneut über Manila reiste Eickstedt mit dem Schiff nach Jakarta auf der Insel Java. Er durchquerte die Insel mit dem Zug und besichtigte in der Nähe der Stadt Banyuwangi paläo-anthropologische und frühhistorische Fundstätten. Von dort flog er nach Ho Chi Minh Stadt und fuhr mit dem Schiff zur Hafenstadt Haiphong, um vom 24. bis zum 30. November 1938 am 10. Kongress der Far Eastern Association of Tropical Medicine teilzunehmen. Es folgte eine Expedition entlang der vietnamesischen Küste zu den ethnischen Gruppen der Annamiten, die auf der Höhe der Küstenstadt Nha Trang lebten und der Tcham im gebirgigen Hinterland. In der zentralvietnamesischen Stadt Hue trat Eickstedt schließlich im Februar 1939 die Rückreise an. Über Bangkok ging es auf dem Landweg nach Singapur und von dort mit dem Schiff nach Europa.

Die Aufnahmen von der Deutschen Ostasien-Expedition untergliedern sich in anthropometrische und ethnologische Fotografien und spiegeln damit Eickstedts Forschungsinteresse wider.

Auf anthropometrischen Fotografien, die dem Anthropologen empirische Belege für seine rassentheoretischen Thesen liefern sollten, lag Eickstedts Hauptaugenmerk. Anders als bei seiner Indien-Expedition konnte er sich während seiner Ostasienexpedition auf die anthropologische Forschung konzentrieren. Der Teilbestand umfasst über 1.000 Typenaufnahmen, die Angehörige verschiedener Ethnien auf Einzel-, Doppel-, und Gruppenportraits zeigen. Eine anthropometrische Aufnahme setzt sich dabei meistens aus mindestens einer En-face-, einer Halbprofil- und einer Profilfotografie zusammen. Verglichen mit ähnlichen zeitgenössischen Aufnahmen lassen diese anthropometrischen Fotografien eine ungewöhnlich strenge formale Herangehensweise erkennen, welche die wissenschaftliche Akribie verdeutlicht, mit der der Anthropologe seinen methodischen Ansatz während der gesamten Expedition verfolgte. Zugleich stellen Mimik und Gestik oder auch Kleidungsstile die Versuche rassentheoretischer Normierungen, die diesen Aufnahmen zugrunde liegen, häufig in Frage, verweisen sie doch auf die vielfältigen sozialen und kulturellen Hintergründe der Portraitierten.

Zusätzlich nahm Eickstedt auch ethnologische Fotografien auf. Diese zeigen Tänze, die Verwendung von Jagdwaffen, Musikinstrumente, Ritual- und Alltagsgegenstände. Der Anthropologe dokumentierte Alltagsszenen, wie Mahlzeiten, die Fütterung von Vieh oder das Stillen eines Kindes. Auch Sakralbauten wie die hinduistischen Tempel im südindischen Kanchipuram oder die Tempelanlagen im kambodschanischen Bayon gehören zum Portfolio. Weiterhin enthält der Bestand einige Reisefotografien, die Eickstedt zum Beispiel bei der Reise mit einem Boot oder beim Rauchen einer Opiumpfeife zeigen.

Publikationen in Auswahl

  • Von Eickstedt, Egon: Das Angelproblem der ostasiatischen Völkerdynamik. Rolle und Rasse der Bai-I und Tai. In: Studien zur Auslandskunde: Ostasien, Band 2, 1944, S. 1-52.
  • Von Eickstedt, Egon: Das Tai-Problem. In: Meridio-Occidentale Sinsense, Band 1, 1940, S. 95-109.
  • Von Eickstedt, Egon: Forschungen in Süd- und Ostasien. I. Travancore, Cochinchina und Kambodscha. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 8, 1938, S. 294-333.
  • Von Eickstedt, Egon: Forschungen in Süd- und Ostasien. II. Siam und Laos, das Tai-Problem und die Chinoisants. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 10, 1939, S. 1-67.
  • Von Eickstedt, Egon: Forschungen in Süd- und Ostasien. III. Im Rotflußdelta und bei den obertonkinesischen Bergvölkern. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 10, 1939, S. 120-162.
  • Von Eickstedt, Egon: Forschungen in Süd- und Ostasien. IV. Die Annamiten und der Untergang von Tchampa. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 11, 1940, S. 21-79.
  • Von Eickstedt, Egon: Forschungen in Süd- und Ostasien. V. Untersuchungen bei der indochinesischen Urbevölkerung der Moi. In: Zeitschrift für Rassenkunde, Band 11, 1940, S. 115-153.
  • Von Eickstedt, Egon: Rassendynamik in Ostasien. China und Japan, Tai und Kmer von der Urzeit bis heute, Berlin 1944.
  • Von Eickstedt, Egon: Über Herkunft und Typus der Miau-Stämme in Westchina. In: Sinica, Band 17, 1942, S. 121-135.

Zur umfassenden Bibliographie Egon von Eickstedts, siehe: Preuß 2009, S. 365-375.

Literatur

  • Preuß, Dirk: Anthropologe und Forschungsreisender. Biographie und Anthropologie Egon Freiherr von Eickstedts (1892-1965), München 2009, S. 80-93.

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