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Polarfahrt LZ 127 Graf Zeppelin 1931

Die Polarfahrt des Luftschiffs LZ 127 Graf Zeppelin zum Sammeln meteorologischer und geografischer Messdaten in der Arktisregion fand vom 24. bis 31. Juli 1931 unter dem Kommando des Schriftstellers und Luftfahrtingenieurs Hugo Eckener (1868-1954) statt. Die internationale Besatzung setzte sich aus Luftschifffahrern, Polarforschern, Geodäten, Ingenieuren, Fotografen und Journalisten zusammen. Aus Deutschland nahmen unter anderem der Luftfahrer Walter Bruns (1889-1955), der Geodät und Ingenieur Walter Basse (1895-1936), der Geophysiker und Meteorologe Ludwig Weickmann (1882-1961) und der Diplom-Ingenieur und Entwickler einer Neun-Linsen-Panoramakamera Claudius Aschenbrenner (1894-?) teil. Aus der Sowjetunion fuhren der Polarforscher, Geologe und wissenschaftliche Leiter der Expedition Rudolf Samoilowitsch (1881-1940), der Meteorologe und Erfinder der Radiosonde Pawel Moltschanow (1893-1941) und der Polarforscher und Funker Ernst Krenkel (1903-1971) mit. Besatzungsmitglieder aus den USA waren der Navy-Admiral und Ozeanograph Edward Smith (1889-1961) und der Polarforscher Lincoln Ellsworth (1880-1951). Ferner gehörten der Schweizer Fotograf und Journalist Walter Bosshard (1892-1975), der österreich-ungarische Schriftsteller Arthur Koestler (1905-1983), der schwedische Geodät Gustaf Ljungdahl (1882-1940) und der italienische Luftfahrtingenieur und Polarforscher Umberto Nobile (1885-1978) zum Expeditionsteam. Letzterer erreichte im Jahr 1926 zusammen mit Ellsworth und Roald Amundsen (1872-1928) im Luftschiff Norge als einer der ersten Menschen den Nordpol.

Finanziert wurde die Polarfahrt aus Mitteln der Aeroarctic, durch die Mitnahme von Luftschiffpost und durch den Verkauf von Publikationsrechten an den Ullstein Verlag. Die Berichtserstattung im Auftrag des Verlags übernahm Arthur Koestler.

Die Route des LZ 127 Graf Zeppelin führte vom Heimathafen in Friedrichshafen am Bodensee über Leipzig zur Zwischenlandung in Berlin am 24. Juli und weiter nach Leningrad, wo die Besatzung am 25. Juli erneut zwischenlandete um Treibstoff aufzunehmen. Dort begann am 26. Juli die eigentliche Polarfahrt: Nach Überfahrt des Onegasees erreichte das Luftschiff die russische Hafenstadt Archangelsk, fuhr über das Weiße Meer, passierte die Kanin-Halbinsel und gelangte über die Barentsee zur Hooker-Insel, die zum Archipel Franz-Josef-Land gehört. Vor der Insel fand ein Treffen mit dem russischen Eisbrecher Malygin statt, bei dem die mitgeführte Luftschiffpost medienwirksam über dem Polarmeer übergeben wurde. Nach der anschließenden Vermessung des Westens von Franz-Josef-Land nahm man Kurs auf Sewernaja Semlja. Der Überfahrt dieser Inselgruppe im Nordpolarmeer folgte auf Grund von Witterungsverhältnissen eine Kursänderung Richtung Taimyrhalbinsel, wo das Luftschiff Richtung Südwesten abbog und über Land zur Hafenstadt Dikson fuhr. Von dort ging es erneut Richtung Norden nach Nowaja Semlja. Anschließend an die photogrammetrische Vermessung der Ostküste der Insel begaben sich die Besatzungsmitglieder auf den Rückweg. Nach der Überfahrt von Leningrad und einem erneuten Zwischenstopp in Berlin am 30. Juli 1931 erreichten sie am 31. Juli 1931 Friedrichshafen.

Zu den wissenschaftlichen Zielen der Polarfahrt gehörte die geodätische Erforschung verschiedener Gebiete im Norpolarmeer mittels aerophotogrammetrischer Messgeräte. Auf Nowaja Semlja beispielsweise bestimmten die Forscher die Südgrenze der Gletscher und kartographierten einen bis 1931 noch unbekannten Küstenstreifen an der Ostseite der Insel. Zudem wurden zahlreiche meteorologische Messungen mit Radiosonden unternommen. Für die systematische Vermessung der Polarregion war die Polarfahrt des LZ 127 Graf Zeppelin ein wichtiger Meilenstein. Der Fotobestand in der deutschen Fotothek verdeutlicht den organisatorischen Aufwand und den Einsatz von, für die 1930er Jahre innovativen Technologien sowie das hohe Maß an enger internationaler Zusammenarbeit. Die Luftaufnahmen, die während der Fahrt entstanden, geben auch aus heutiger Sicht seltene Einblicke in die Polarregion.

Bestand in der Deutschen Fotothek

Das Bildarchiv des Institut für Geographie und Geoökologie der Akademie der Wissenschaften Leipzig, Dimitroffplatz 1, das 1986 von der Deutschen Fotothek übernommen wurde, umfasst insgesamt 162 Motive von der Polarfahrt des Luftschiffs LZ 127 Graf Zeppelin im Jahr 1931 und von vorangehenden Kongressen der Aeroarctic. Darunter sind 102 Bilder, die von Walter Basse aufgenommen wurden. Bis auf zwei Ausnahmen handelt es sich dabei um Luftaufnahmen, die während der Fahrt gemacht wurden. Sieben Aufnahmen lassen sich Walter Bosshard zuordnen, für weitere 53 Motive ist der Fotograf unbekannt. Die Motive verteilen sich auf 188 Bildträger darunter 134 Originalnegative aus Kunsstoff, 5 Reproduktionsnegative aus Glas und 7 Reproduktionsnegative aus Kunsstoff im Format 9 x 12 cm. Weiterhin umfasst der Bestand 42 Ausstellungspositive in verschiedenen Großformaten, von denen nur für 27 Originalnegative in der Deutschen Fotothek vorliegen.

Die Bilder umfassen Aufnahmen des Besatzungsalltags, der technischen Ausrüstung des Luftschiffs und zahlreiche Luftaufnahmen. Neben Abwürfen von Radiosonden, der Aufnahme von Luftbildern, meteorologischen Beobachtungen oder Kursberechnungen gehörten auch eine gemeinsame Mahlzeit im Speiseraum des Luftschiffs und der Einwurf von Postkarten in einen Briefkasten zu den Motiven. Diese Fotografien aus dem Innenraum werden durch zahlreiche Luftaufnahmen ergänzt, die entlang der Expeditionsroute entstanden sind. Als besonderes Highlight galten schon den Zeitgenossen die Aufnahmen vom Treffen des Luftschiffs mit dem Eisbrecher Malygin vor der Hooker-Insel. Dokumentiert sind zudem die Vorbereitungskonferenzen in Berlin 1926 und Leningrad 1928 sowie die Vorbereitung des Luftschiffs für die Expedition im Heimathafen in Friedrichshafen.

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Publikationen

  • Bruns, Walther: Wissenschaftliches Arbeiten im Luftschiff über der Arktis. In: Atlantis, 3. Jahrgang, S. 696-701.
  • Samoilowitsch, Rudolf: Der Arktisflug des Graf Zeppelin. In: Atlantis, 3. Jahrgang, S. 562-572.

Literatur

  • Schennerlein, Barbara: Das aerophotogrammetrische Forschungsprogramm der Arktisfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ LZ 127 im Jahr 1931. In: Polarforschung, 84, 2, S. 67-92, 2014. [Online-Version]