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Italienisch-Ostafrikareise Schottenloher-Troll 1937

Rudolf Schottenloher und Carl Troll

Im September und Oktober 1937 bereisten Rudolf Schottenloher und Carl Troll das Kolonialgebiet Italienisch-Ostafrika. Die offiziellen Hauptziele dieser Reise waren das Sammeln von Saatgut für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung sowie die Dokumentation des Fortschritts im Straßenbau der Kolonialmacht Italien. Daneben verfolgten die Geographen aber auch eigene Forschungsinteressen.

Schottenlohers Aufnahmen von dieser Reise spiegeln einerseits das Interesse seiner Auftraggeber und seine eigene geographische Perspektive wider. Andererseits dokumentieren sie auch den Alltag in der Kolonie Italienisch-Ostafrika. Sie umfassen Bilder von Straßenverläufen, von Brücken und vom Straßenbau der Italiener. Im Hochland von Abessinien und im Somali-Hochland nahm der Geograph landschaftliche und geologische Formationen wie den Tafelberg Amba Toquilé, Abbruchkanten im Simien Gebirge, die Hochfläche von Debark und verschiedene Gesteinsformationen aus rotem Tuffgestein auf. Sein fotografisches Interesse galt der Verbreitung lokaler Pflanzenarten wie Wolfsmilchwächsen und Wacholder und agrarischen Anbauflächen von Süßkartoffeln oder Hirse. Weiterhin fotografierte Schottenloher Alltagsszenen wie das Marktleben in Aksum. In Gondar nahm er eine Militärparade auf, die von den italienischen Besatzungstruppen anlässlich des äthiopischen Maskalfestes abgehalten wurde.

Von der eritreischen Hauptstadt Asmara aus unternahmen die beiden Geographen in Begleitung des italienischen Oberleutnants Bertoletti insgesamt fünf Fahrten mit dem Automobil, von denen sie vier durch das Hochland von Abessinien führten und die fünfte das Somali-Hochland mit einschloss. Zuerst ging es über die Straße von Asmara nach Gondar im heutigen Äthiopien in die nordäthiopische Stadt Aksum. Anschließend fuhren sie von Asmara über die eritreische Stadt Mendefera (Addi Ufri) zum Tafelberg Amba Toquilé, um diesen zu besteigen. Mit ihrer dritten Fahrt gelangten die beiden Geographen durch das sogenannte Ambo Casci-Gebirge in die eritreische Stadt Keren. Die vierte Fahrt führte sie von Asmara nach Gondar und in die eritreische Hauptstadt. Im Rahmen der fünften Fahrt ließen Schottenloher und Troll den eritreischen Teil der Kolonie Italienisch-Ostafrika schließlich hinter sich. Von Asmara aus folgten sie der Straße über Dessiè in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba und von dort weiter in die ostäthiopische Stadt Harar, von wo Carl Troll mit dem Flugzeug nach Europa zurückkehrte, während Rudolf Schottenloher für weitere anderthalb Jahre in Äthiopien bleiben sollte.

Finanziert wurden die fünf Reisen vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung. Außerdem bekam das Vorhaben umfangreiche logistische Unterstützung durch die italienische Kolonialverwaltung.

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Publikationen

  • Schottenloher, Rudolf/Troll, Carl: Ergebnisse wissenschaftlicher Reisen in Äthiopien. I. Von Eritrea nach Gonda, Addis Abeba und Harar. In: Petermanns geographische Mitteilungen, 85. Jahrgang, Gotha 1939, S. 217-238.