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Afrika-Expedition 1931-1932

Hans Schomburgk

Fragen der deutschen Kolonialpolitik werden gegenwärtig vielfältig diskutiert, darunter vor allem die nach den Rückwirkungen des Kolonialprojekts auf die deutsche Gesellschaft selbst. Unumstritten ist, dass der koloniale Diskurs mit einem rassistisch geprägten Superioritätsdenken einherging - beanspruchte doch das Deutsche Reich durch seinen Kolonialbesitz wie durch seine expansive Flottenpolitik nicht mehr nur eine kontinentale Großmacht, sondern gar eine Weltmacht zu sein. [1]

Auch die ersten Aufnahmen vom Aufbruch der achten Afrika-Expedition Hans Schomburgks 1931/32 sowie die Fotos vom Leben an Bord der "Usambara", einem Dampfer der Deutschen Ost-Afrika-Linie, während der Überfahrt nach Afrika machen deutlich, dass es sich bei der in der Deutschen Fotothek bewahrten Sammlung Schomburgk nicht einfach um eine wissenschaftliche Dokumentation bedrohter Kulturen handelt, sondern gleichermaßen um die Illustration von Kolonialgeschichte. Die Verflechtung von deutsch-afrikanischer bzw. europäisch-außereuropäischer Geschichte, der Umgang mit dem kolonialen Fremden, der auch Exotismen nicht ausspart, verbildlicht sich unterwegs in Afrika; die inszenierte Fahrt durch das Brandenburger Tor anläßlich der Rückkehr der Expedition in die Kolonialmetropole Berlin setzt den zeitgenössischen Kolonialrevisionismus wirkungsvoll ins Bild.

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Angetreten wurde die Expedition, die erstmals technisch komplett ausgerüstet war, von Hans Schomburgk und seiner Frau zusammmen mit einer Gruppe von Wissenschaftlern, Technikern und einem Ingenieur im Mai 1931. Neben zwei offenen PKWs standen zwei LKWs der Marke "Opel-Blitz" mit Anhänger zur Verfügung. Die Karosserien waren nach Vorgaben Schomburgks verändert worden. Außerdem führte man vier zerlegbare Fahrräder mit, denn die Erfahrung hatte gelehrt, daß es hunderte von Urwaldpfaden gab, die man per Rad zurücklegen konnte - im Notfall, und auf den kam es an. Die eigens für diese Expedition neuentwickelten Kameras, Fotoapparate, Fernrohre und Tonbandgeräte wurden von Paul Lieberenz betreut.

Die Reiseroute führte von Durban bis zu Angolas Atlantikküste, wo die Expedition in der Hafenstadt Lobito am 24.01.1932 erfolgreich endet. Ein Schwerpunkt der Reise war die Erforschung des Bangweolo-Sees. Ferner von großem Interesse waren für Schomburgk die in den Sümpfen des Sees lebenden Bewohner, die Batwa, aber auch die Maskentänzer der Caluimbi (heute genannt Tschokwe) in Angola. Ebenfalls während der Expedition entstanden sind die bekannten Filme "Das letzte Paradies" und "Die Wildnis stirbt!", die wie die hier vorgestellten Fotografien die rasanten Veränderungen auf dem afrikanischen Kontinent dokumentieren, zugleich aber die Darstellung des evolutionären Unterschiedes zwischen "primitiven" und "modernen" Völkern standardisieren und ästhetisieren. Schomburgk ist es gelungen, nicht nur mit seinem mit einer silbernen Perner-Tierschutz-Medaille ausgezeichneten ersten Tonfilm "Das letzte Paradies", die Filmkamera als Instrument der Entdeckung und der Archivierung sterbender Ethnien zu etablieren. Das verlorengegangene Paradies kann nur noch mit der Kamera betreten werden.

In seinem Buch "Meine Freunde im Busch" merkt Schomburgk an, daß es richtig gewesen sei, ethnologischen Studien vor Tierfilmen den Vorrang zu geben, sei doch die Fauna vorerst durch Gesetze und Reservate geschützt. Die Bewohner Afrikas hingegen könnten sich der Zivilisation nicht erwehren. Sitten und Gebräuche seien mehr und mehr im Wandel begriffen, traditionelle Lebensformen würden aufgegeben. Bereits 1931/1932 seien "alte Kunsthandwerke nur schwer zu finden und es war schwierig, wenn nicht gar schon unmöglich,die primitive aber höchst kunstvolle Produktionsweise afrikanischer Handwerker zu beobachten".[2]

So beginnt sich schon in den dreißiger Jahren abzuzeichnen, daß Schomburgk 1958 auf seiner letzten Afrikareise "sein Afrika" so nicht mehr finden wird. Der im Rahmen dieser Reise enstandene Film "Mein Abschied von Afrika" wird daher zum subjektiven, wehmütigen Bericht über das alte Afrika, der die Augen vor dem politischen Erwachen der afrikanischen Völker wenigstens teilweise verschließt.

[1] Vgl.: Jörg Schöning (Hg.): Triviale Tropen. Exotische Reise- und Abenteuerfilme aus Deutschland 1919-1939. München: edition text + kritik, 1997.
[2] Hans Schomburgk: Meine Freunde im Busch. Eine Filmfahrt durch Afrika. Berlin: Verlag der Nation, 1954.