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Äthiopienreise 1937/1938

Rudolph Schottenloher

Unmittelbar nach der Italienisch-Ostafrika-Reise Rudolph Schottenlohers (1911-1944) zusammen mit dem Geographen Carl Troll (1899-1975) unternahm der Geograph und Forschungsreisende von November 1937 bis in die zweite Hälfte des Jahres 1938 eine weitere Forschungsreise durch das Kaiserreich Abessinien, das im Jahr 1935 von Italien besetzt wurde. Ziel der Reise war die Erforschung der geographischen Höhenverhältnisse, der klimatischen Bedingungen und der landwirtschaftlichen Anbauformen in Südäthiopien. Von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba aus unternahm Schottenloher zwei größere und verschiedene kleinere Exkursionen.

Die erste Exkursion führte Schottenloher von November 1937 bis Januar 1938 ins östliche Somali-Hochland, wo er das Chercher-Gebirge, das Garamuleta-Gebirge und die Arussi-Berge bewanderte. Im Frühjahr 1938 folgte eine weitere Reise in das Gebiet zwischen dem Abajasee und dem Fluß Omo, die der Erforschung des westlichen Somali-Hochlandes sowie des südlichen äthiopischen Grabens diente. Auf eine dritte für den Sommer 1938 geplante Exkursion, die den Geographen in die Grenzregion zum Sudan führen sollte, musste Schottenloher wegen widriger Wetterbedingungen während der Regenzeit verzichten. Stattdessen unternahm er mehrere Kurzreisen per Automobil und Flugzeug in verschiedene Regionen Äthiopiens.

Schottenlohers Aufnahmen spiegeln einerseits sein Forschungsinteresse wider. Andererseits dokumentieren sie auch den Alltag im besetzten Äthiopien. Sein fotografischer Fokus lag auf landschaftlichen und geologischen Formationen wie den Kalksandsteinterrassen im Chercher-Gebirge, Hochebenen im Garamuleta-Gebirge oder Basaltformationen in den Arussi-Bergen. Er dokumentierte die Vegetationsverteilung von Steineiben, Wacholderbüschen, Maulbeerfeigen-, und Eukalyptusbäumen. Er fotografierte Enseten- und Kaffeeanpflanzungen, Zuckerrohrplantagen und Rodungsflächen. Außerdem machte er Alltagsaufnahmen von Straßenszenen in Addis Abeba, Marktszenen in Burka oder auch wasserholenden Frauen am Haramaya-See bei Harar. Seine Motive zeigen das Alltagsleben von italienischen Siedlern in den äthiopischen Städten Harar und Adola sowie italienische und abessinische Militärs.

Finanziell gefördert wurde diese Reise vom Kolonialpolitischen Amt der NSDAP, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, dem Stifterverband der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Deutsch-Italienischen Bergbaugesellschaft „SAMAOI“. Schottenloher wurde zudem von der italienischen Kolonialverwaltung unterstützt.

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Publikationen

  • Schottenloher, Rudolf: Ergebnisse wissenschaftlicher Reisen in Äthiopien. II. Die Cercer-, Garamullata- und nördlichen Arrusi-Bergländer auf der Somali-Hochscholle. In: Petermanns geographische Mitteilungen, 85. Jahrgang, Gotha 1939, S. 265-277