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Kurt Beyer – Aufenthalt in Siam

Kurt Beyer

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Im Juli 1908 schiffte sich der Bauingenieur Kurt Beyer (1881-1952) aus Dresden ein, um nach Südostasien, nach Siam, in das heutige Thailand zu reisen. Er trat dort im August eine Stelle als Sektionsingenieur bei der Siamesischen Staatsbahn an. Beyer war u.a. beteiligt am Bau der Hauptwerkstätten der Eisenbahn in Mokasan und er leitete die Baumaßnahmen eines Abschnitts der Nordlinie der siamesischen Eisenbahn. Es handelte sich um die Strecke von Phitsanulok nach Uttaradit und Sawankhalok. Das bedeutendste Bauwerk war die Bandora-Brücke über den Mae Nam Nan, die unter der Bauleitung Beyers errichtet und im Dezember 1909 in Betrieb genommen werden konnte. Danach wechselte Beyer in die Hauptverwaltung der englischen Südlinie. Ende 1909 wurde Beyer auf Empfehlung des Generaldirektors der Südlinie mit der Bauleitung des „Phra Ram Ratchaniwet Palace“ für Rama V., König von Siam, in Phetchaburi beauftragt. Nach dem Entwurf des deutschen Architekten Karl Siegfried Döhring (1879-1941) wurde im Stil des Art déco eine staatliche zweigeschossige Villa errichtet. Der Rohbau entstand in nicht einmal 12 Monaten. Nach dem Tod des Auftraggebers und Königs am 23. Oktober 1910 kamen die Arbeiten gegen Ende des Jahres zum Erliegen. Der Bau wurde erst 1916 vollendet und dient heute als Museum. Neben der Bauleitung für die Villa, richtete Beyer die erforderliche Infrastruktur für den Bau ein, in dem er Ziegeleien, Steinbrücke, Straßen- und Brückenbauten anlegte bzw. errichtete.

Nachfolgend war Kurt Beyer im Ministerium des Innern von Siam als bautechnischer Berater tätig und errichtete in Südsiam auf der Malaiischen Halbinsel eine Reihe von Straßenbrücken in Stahlbetonbauweise. Sein Team bildeten die chinesischen und siamesischen Arbeiter, die bereits in Phetchaburi für ihn gearbeitet hatten. Seine Tätigkeit in Siam fand ein Ende als er an Sumpffieber erkrankte und Ende 1913 aus Südostasien zurück nach Deutschland reiste, um sich in seinem Urlaub auszukurieren. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte seine Rückkehr.

Als Fotograf war Kurt Beyer ein Amateur. Er setzte die Fotografie in seiner Zeit in Siam vor allem ein, um in rund 900 Aufnahmen seine Arbeit als Bauingenieur zu dokumentieren, aber auch sein privates Umfeld, Land und Leute sowie die architektonischen Denkmäler Siams. Sein Fotoapparat stammte von der in Paris ansässigen Firma Mackenstein. Die Aufnahmen wurden ausschließlich im Format 9 x 12 cm auf Glas angefertigt. Wie beinahe jeder Europäer, der erstmalig nach Übersee reiste, hielt Beyer die Stationen der Reise im Bild fest, so etwa den Hafen in Genua, die Passage durch den Suez-Kanal und die Häfen der Zwischenhalte. Neben der Dokumentation der wichtigsten Bauprojekte in allen Phasen der Entstehung, die unter seiner Leitung in Siam entstanden, wie die Bandora-Brücke, die königliche Villa in Phetchaburi oder aufwendige Neubauten von Straßenbrücken in Stahlbeton, entstanden Bilder von Kollegen und Arbeitern sowie einzelne Aufnahmen weniger bedeutender Bauprojekte. Dazu zählen auch zahlreiche Portraits Beyers auf den Baustellen und mit seinen Bauprojekten sowie von ihm und seinen Kollegen. Sein privates Umfeld, die verschiedenen von ihm bewohnten Häuser, seine Bediensteten und Haustiere wurde Portraits und Alltagsszenen wohl für die in Dresden gebliebene Familie abgelichtet, vor allem für seine Mutter, der er auch Abzüge von einigen Aufnahmen geschickt haben muss. Der erhaltene rege Briefwechsel den er mit ihr pflegte ermöglichte die Erschließung des Bildbestandes in vielen Bereichen.

Literatur

  • M. Koch, G. Franz, H. Steup: Kurt Beyer – Hochschullehrer und Bauingenieur in Theorie und Praxis. In: VDI Jahrbuch der Gesellschaft für Bautechnik 1992. Teil III (Herausragende Ingenieurleistungen in der Bautechnik). Düsseldorf 1992, S. 355–393
  • Bernd Möller; Wolfgang Graf: Kurt Beyer (1881-1952). Erinnerungen an einen bedeutenden Statiker und Bauingenieur, in: Bautechnik, 79 Jg. (2002), Nr. 5, S. 335-339
  • Richard Stroetmann: In memoriam Kurt Beyer – zum 125. Geburtstag, in: Stahlbau 76 (2007), Heft 5, S. 347-353
  • Dresden und seine Architekten : Strömungen und Tendenzen 1900 - 1970, Husum 2011.

Quellen

  • Lebenslauf von Prof. Dr. Kurt Beyer, maschinenschriftlich
  • Nachlass von Kurt Beyer im Universitätsarchiv der Technischen Universität Dresden