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Fotoarchiv des Sorbischen Kultur- und Volksbildungsamtes Bautzen

Das Fotoarchiv des Sorbischen Kultur- und Volksbildungsamtes Bautzen befindet sich in der Sammlung des Sorbischen Kulturarchivs am Sorbischen Institut in Bautzen und umfasst rund 4.200 Abzüge, zum Teil mit Negativen, einige Glasplatten.

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • sorbisches zeitgenössisches Kulturleben in den 1950-er und 1960-er Jahren (Bräuche, Theater, politische Veranstaltungen, Schule)
  • Landes- und Volkskunde der sorbischen Lausitz (Kirchen, Burgwälle, Denkmäler, Architektur, Landschaft, Trachten)

Das Sorbische Kultur- und Volksbildungsamt in Bautzen, sorbisch kurz "Serbski zarjad" genannt, wurde 1948 von der Landesregierung Sachsen gegründet und sollte beratende Funktionen für gesellschaftliche und Verwaltungseinrichtungen ausüben sowie sorbische Bildungs- und Kultureinrichtungen aufbauen und unterstützen. Weiterhin hatte es den Auftrag, für das sehr allgemein gehaltene Sorbengesetz Durchführungsbestimmungen auszuarbeiten. Der damalige Chef Pawoł Nedo wusste um die Wichtigkeit von Bildern. Seine Ambitionen richteten sich auf eine breit angelegte fotografische Dokumentation sorbischer Kultur und Lebensweise. Es wurde daher für den Aufbau eines Bild- und Filmarchivs eine Sacharbeiterstelle eingerichtet. Als Aufgabe der Presse/Film/Funk-Abteilung formulierte man knapp und drastisch: "Propagandistische Überwindung der Bildungsfaulheit durch Presse, Plakate, Flugblätter, Kino, Diapositive, Rundfunk und Stadtfunk". Der Bedarf an neuen Bildern für diese Medien war groß. Die Quasi-Bildagentur entstand nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt, – in der zeitgenössischen Argumentation – die Hoheit über die Bilder über die Sorben zu haben.

Fotografiert (und gefilmt) wurden sowohl zeitgenössische Aufbau-Aktionen und Festivitäten wie z. B. das Treffen der sorbischen Brigaden in Uhyst, die Arbeiten am neuen Haus der Sorben in Bautzen, der Besuch der sorbischen Delegation bei Wilhelm Pieck und dessen Gegenbesuch in Bautzen während des Sorbischen Volkstreffens 1950, das neu entstehende sorbische Schulleben, die Arbeit in den neuen Energiekombinaten als auch Aufnahmen für die volkskundliche und historische Dokumentation wie Osterbräuche, Hochzeiten und Trachten, slawische Burgwälle und archäologische Grabungen.

Festangestellte Fotografen gab es nicht. Die Bilder waren Auftragswerke und wurden angekauft. Seit Beginn der 1950 Jahre beschränkte sich das Volksbildungsamt mehr und mehr auf die politische Überwachung und Verwaltung der Minderheitenpolitik. Eine Reihe von Aufgaben fielen den neugegründeten Institutionen zu – so auch das Bildarchiv. Es wurde Anfang der 1960er Jahre dem Institut für sorbische Volkskunde überlassen. In der Fotosammlung des SKA zählt das historische Bildarchiv des Sorbischen Kultur- und Volksbildungsamtes zu den meist genutzten Beständen.