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Zeichnungsbestand der SLUB

Der Dresdner Bestand umfasst Architekturzeichnungen unterschiedlichster Provenienz aus der Zeit vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Bauaufgaben, Auftraggeber, Baumeister, Architekten und Ingenieure sind zumeist landesherrlichen Hofhaltungen und ihrem direkten Umfeld zuzuordnen – insbesondere der kursächsischen Residenz in Dresden.

Ein Großteil der Zeichnungen zählt zum Altbestand der Bibliothek und ist schon vor 1807 nachweisbar. Den Schwerpunkt der heterogenen Sammlung bilden Zeichnungen des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts. Vertreten sind alle architektonischen Gattungen. Das Spektrum der Bauaufgaben reicht vom Sakral- und Schlossbau, über den Festungsbau bis hin zum Brückenbau sowie technischen Einrichtungen und Maschinen. Vertreten sind u.a. Risse bedeutender Baumeister, Architekten und Ingenieure wie George Bähr (1666-1738), Ferdinando Bibiena (1657-1743), Jean de Bodt (1670-1745), Johann Georg Maximilian Fürstenhoff (1686-1753), Martin Grünberg (1655-1707), Zacharias Longuelune (1669-1748) und Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736). Weitere Zeichnungen stammen von der Hand bisher kaum bekannter Offiziere des sächsischen Ingenieurkorps und von Angehörigen des wettinischen Fürstenhauses. Überliefert sind die Zeichnungen teils in thematisch geordneten Klebebänden des 18. Jahrhunderts, die u.a. Blätter aus den Nachlässen von de Bodt und Longuelune enthalten. Vertreten sind aber auch eigenständige Werke wie Fürstenhoffs Sammlung von Plänen fester Orte und Städte in ganz Europa in drei Bänden. Weitere Einzelblätter und kleinere Konvolute werden in der Handschriftensammlung und in der Loseblattsammlung der Kartensammlung aufbewahrt.

Die Präsentation in der Datenbank ermöglicht nun erstmals die Zeichnungen eines Künstlers oder zu einem Objekt unabhängig vom Aufbewahrungsort virtuell zusammenzuführen. Ebenso sind Provenienzen und ursprüngliche Sammlungskontexte abrufbar, wie beispielsweise die Blätter aus der Sammlung des Johann Christoph Adelung (1732-1806) oder aus dem Nachlass des Dresdner Architekten, Kunsthistorikers und Professors am Polytechnikum Richard Steche (1837-1893). Ergänzend war es möglich für einige der heute als Kriegsverluste geltenden Zeichnungen ersatzweise historische Fotografien hochauflösend zu digitalisieren und damit die Blätter der Forschung wieder zur Verfügung zu stellen, wie die 15 Aufnahmen von Zeichnungen zum Potsdamer Stadtschloss aus einem verlorenen Klebeband.

Neben den offensichtlichen Vorzügen einer Datenbankpräsentation wird ferner anhand der vertretenen Baumeister und Architekten sowie den dargestellten Architekturen die europäische Dimension der künstlerischen Orientierung der über Jahrhunderte in Dresden herrschenden Wettiner ablesbar. Der Hof verpflichtete immer wieder bedeutende Künstler aus ganz Deutschland und Europa bzw. informierte sich über das Architekturschaffen und die technischen Entwicklungen in anderen Ländern und orientierte sich auch daran. So gelangten die zu den qualitativ besten Architekturzeichnungen des 18. Jahrhunderts zählenden Entwürfe des Architekten und Ingenieurs Jean de Bodt für König Friedrich I. in Preußen ebenso in die Sammlungen der Bibliothek wie die theaterhistorisch höchst bedeutsamen Entwürfe des späten 17. Jahrhunderts zu Bühnenbildern von Johann Oswald Harms (1643-1708) oder die bislang unbekannten Zeichnungen zu Bologneser Kirchenbauten der Baumeisterfamilie Dotti (17./18. Jh.).

Im Zuge der Bearbeitung des Bestandes konnte zudem eine erhebliche Anzahl von Zeichnungen erstmals identifiziert bzw. neu zugeschrieben werden. Auch konnten bestimmte Aspekte hinsichtlich des Wirkens bestimmter Baumeister und Architekten sowie bezüglich des Dresdner Ingenieurkorps erstmalig aufgezeigt werden. Letztere schufen u.a. nach den Zerstörungen des siebenjährigen Krieges eine Reihe von Entwürfen zu Gebäuden für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Chronologisch am Ende der Reihe steht die Wiederentdeckung von Teilen des Nachlasses von Richard Steche, dessen Wirken als Architekt, Denkmalpfleger und Professor für die Geschichte der Technischen Künste und Praktische Ästhetik am Polytechnikum sich in diesem Bestand widerspiegelt.

Obwohl die Sammlung der SLUB gemessen an den Beständen anderer Sammlungen in Dresden nicht sehr umfangreich ist, beinhaltet sie doch eine große Anzahl architekturhistorisch und technikgeschichtlich bedeutender Blätter, die Forschung und Lehre sowie interessierten Laien jetzt zur Verfügung stehen. Damit leistet die SLUB einen bedeutenden Beitrag zur Erschließung einer für die Kunst- und Kulturwissenschaften wichtigen Quellengattung, wie dies auch in Großprojekten für die Plansammlungen der Architekturmuseen der Technischen Universität Berlin und der Technischen Universität München erfolgte bzw. erfolgt sowie im Rahmen des Projekts Lineamenta zu italienischen Architekturzeichnungen an der Bibliotheca Hertziana in Rom.